Washington – Auf dem Weg zum Hubschrauber nach Kalifornien konnte sich US-Präsident Donald Trump gestern eine letzte Gehässigkeit nicht verkneifen. „Rex Tillerson wird jetzt viel zufriedener sein“, rief er den Reportern zu. Sollte heißen: Ist doch gut für ihn, dass ich ihn entlassen habe. Das war als maximale Demütigung gemeint.
Kurz zuvor hatte der Präsident den Abschied von seinem Außenminister über Twitter verkündet. Erst Stunden danach, erklärte Tillerson, habeTrump mit ihm telefoniert. Lediglich Stabschef John Kelly hatte den 65-Jährigen vergangenen Freitag angerufen und gewarnt, dass seine Zeit ablaufe. Tillerson verkürzte daraufhin seine Afrikakreise um einen Tag. Er habe im Amt bleiben wollen, sagte sein Staatssekretär Steve Goldstein. Kurz darauf entließ ihn Trump gestern ebenfalls.
Tillerson war spätestens seit Dezember 2017 angezählt. Damals hatte unter anderem die „New York Times“ über Trumps Plan berichtet, den Außenminister, mit dem der Präsident so gar nicht konnte, durch CIA-Chef Mike Pompeo zu ersetzen.
Von Beginn an hatten Trump und Tillerson verschiedene Vorstellungen von der US-Außenpolitik, was sich auch darin äußerte, dass der Präsident den früheren Exxon-Vorstandschef nur selten konsultierte. Das zerrte offenbar auch an Tillersons Nerven. Im Juli 2017 soll er Trump in einer kleinen Runde als „moron“ bezeichnet haben, als „Trottel“. Das sickerte durch.
Dennoch sah Trump zunächst davon ab, Tillerson zu feuern. Es heißt, andere Kabinettsmitglieder wie Verteidigungsminister Jim Mattis hätten sonst auch hinwerfen wollen. Doch Trump zog aus der Trottel-Bemerkung die Konsequenz, Tillerson noch weniger einzubinden. Dem Außenminister blieben seither vor allem die Medien, um seine Meinungen zu äußern; etwa die Ansicht, dass der Atomdeal mit dem Iran trotz einiger Mängel die beste Alternative im Umgang mit Teheran sei. Auch bei der Verhängung der umstrittenen Strafzölle war Tillerson offenbar nicht mehr um seine Ansicht gebeten worden.
Wie ernst es Trump mit der Kaltstellung meinte, erfuhr Tillerson zuletzt in der Nordkorea-Krise. Dass Trump die Einladung von Kim Jong Un zu einem Gipfel akzeptiert hatte, soll Tillerson durch die Medien erfahren haben. In die nachfolgende Debatte soll er gar nicht mehr eingebunden worden sein.
Der geschasste Minister resümierte gestern, das Außenministerium habe unter ihm viel Erfolg gehabt, etwa in der Nordkorea-Frage. Mit zeitweise bebender Stimme betonte er zudem die Notwendigkeit, mit den Partnern zusammenzuarbeiten. „Die Führungsstärke der USA beginnt mit der Diplomatie“, sagte er. „Nichts ist möglich ohne Partner und Verbündete.“
Mit Mike Pompeo übernimmt nun ein enger Trump-Freund das wichtigste Ministeramt, das die USA zu bieten haben. Der 54-Jährige liegt mit dem Präsidenten in vielen Bereichen auf einer Linie und gilt als extrem loyal. Den Atomdeal mit dem Iran sieht er ebenfalls kritisch. In Sachen Nordkorea befürwortet er eine harte Linie. Und er vertritt wie Trump die Ansicht, dass die erwiesenen Manipulationsversuche Russlands während der Wahl 2016 keinen Einfluss auf das Ergebnis hatten.
Pompeos Nachfolgerin bei der CIA ist Geheimdienst-Veteranin Gina Haspel, 61. Sie wäre die erste Frau im Amt, ist aber nicht unumstritten. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 leitete sie ein Geheimgefängnis in Thailand, in dem Terrorverdächtige mit Folter-Methoden verhört wurden. Aufnahmen davon zerstörte die CIA, Haspel soll dabei eine Rolle gespielt haben. Trump scheint an all dem keinen Anstoß zu nehmen. F. Diederichs