Zwei Päpste, vier Präsidenten, 19 HSV-Trainer

von Redaktion

Seit 4495 Tagen regiert Angela Merkel als Bundeskanzlerin: Was sich in Deutschland seitdem alles verändert hat

Berlin – Im Jahr 2005 war vieles anders als heute. Zum Wort des Jahres wurde damals „Bundeskanzlerin“ gekürt. 2017 ging dieser Titel an „Jamaika-Aus“. Matthias Platzeck wurde damals mit 99,4 Prozent zum neuen Vorsitzenden der SPD gewählt. Heute ist er Vorsitzender des Deutsch-Russischen Forums. Felix Magath trainierte damals den FC Bayern München. Und Thomas Gottschalk moderierte mit „Wetten dass..?“ die Top-Unterhaltungssendung im deutschen Fernsehen. Heute ist er vom Bildschirm verschwunden, macht aber auf Bayern1 einmal im Monat eine Radioshow.

Wenn Angela Merkel heute zum vierten Mal zur Kanzlerin gewählt wird, sind 4495 Tage seit ihrer ersten Wahl in dieses Amt am 22. November 2005 vergangen.

Das Jahr 2005, das ist die Zeit von Tokio Hotel. Die Magdeburger Boyband beweist, dass Musikgruppen die Teenies auch im 21. Jahrhundert noch immer zum Kreischen bringen. Sie singen „Durch den Monsun“ und verkaufen in ihrem Aufstiegsjahr über eine Million Platten. Abseits der Teenie-Band sind Sudoku-Rätsel im Trend, im Kino läuft „Harry Potter und der Feuerkelch“ sehr erfolgreich und mit der breit angelegten Kampagne „Du bist Deutschland“ soll Mut und Optimismus verbreitet werden. Ein Jahr später ist die Fußball-WM in Deutschland. Das Sommermärchen.

In 4495 Kanzler-Tagen haben die fortschreitende Technik und vor allem das Smartphone Arbeit, Freizeit und Beziehungen der Deutschen revolutioniert. Freute man sich bei den Mobiltelefonen von 2005 schon über einen Farbbildschirm, eine funktionierende Kamera und ein paar Spiele, sind die Handys im Jahr 2018 Allzweckwaffen: soziale Netzwerke, Navigation, das Wetter oder Videotelefonie.

In mehr als zwölf Jahren war auch genug Zeit für eine kleine TV-Revolution. Nahm 2005 bei „Wetten dass..?“ noch die ganze Familie vor dem Fernseher Platz, um Superstars auf Gottschalks Sofa zu sehen, ist die Sendung nach einem Moderatoren-Wechsel zu Markus Lanz längst abgeschafft. Auf das einst berühmteste Sofa Deutschlands setzte sich Merkel im Gegensatz zu Vorgänger Gerhard Schröder nie.

Die heutige Fernseh-Generation wächst anders auf: Streaming-Dienste wie Netflix und Mediatheken haben – außer vielleicht bei Fußball und beim „Tatort“ – für eine Zersplitterung gesorgt. Das TV-Programm ist nicht mehr alternativlos, sondern gerade bei jungen Leuten oft eine Option von vielen.

4495 Tage: Das sind zwei Päpste, vier Bundespräsidenten, fünf Vize-Kanzler (Olaf Scholz wird der sechste) und 19 Fußball-Trainer beim Bundesliga-Dino Hamburger SV, der in all dieser Zeit in der höchsten deutschen Spielklasse antrat. „Wir sind Papst“, titelte die „Bild“ 2005 beim Amtsantritt von Joseph Ratzinger. Papst ist Deutschland zwar seit 2013 nicht mehr, dafür aber seit 2014 Fußballweltmeister. Und sogar Sieger des Eurovision Song Contests war Deutschland einmal in Merkels Amtszeit, weil 2010 Lena Meyer-Landrut mit „Satellite“ in Oslo triumphierte. Stefan Raab, der damals den Song-Contest-Vorentscheid revolutionierte, hat sich in den TV-Ruhestand verabschiedet. Patrick Reichardt

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