Es sind Verbrechen, die einem den Atem stocken lassen: In Berlin soll ein 15-Jähriger eine 14-Jährige erstochen haben, in Thüringen ein 26-Jähriger seine Kommilitonin (22). In Freiburg steht ein junger Mann vor Gericht, weil er eine 19-jährige Studentin ermordet haben soll. Und nun kommt zu diesen willkürlich gewählten Fällen aus dem letzten halben Jahr das Drama von Flensburg dazu: Ein 18-Jähriger hat offenbar eine 17-Jährige erstochen.
Immer öfter werden diese Verbrechen, die überall verzweifelte Familien der Opfer hinterlassen, politisch ausgeschlachtet. Die Aufregung, vor allem auf rechtsextremen Seiten im Netz, ist gigantisch, wenn der Täter ein Ausländer ist. Ist er Deutscher, wird der Fall uninteressant. So gerät die ganze Debatte über das Problem in Schieflage. Doch die absurden Wellenbewegungen der „sozialen“ Netzwerke sollte den Blick auf Fakten nicht verstellen.
Auffällig ist, dass in Flensburg erneut ein Flüchtling nach Ablehnung seines Asylantrags eine Gewalttat beging, wie schon beim Mord an der Konvertitin in Prien oder dem Anschlag in Ansbach. In der emotionalen Ausnahmesituation brennen bei einigen die Sicherungen durch. Innenminister Seehofer muss prüfen, wie er das Problem angeht. Klar: mit schnelleren Verfahren. Aber offenbar brauchen abgelehnte Bewerber auch mehr soziale Begleitung. Und bei Hinweisen auf Gefahr muss der Staat hart vorgehen.
Mike Schier
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