Der Kandidat hofft auf 101 Stimmen

von Redaktion

Wie der Landtag heute den Ministerpräsidenten wählt – Stoiber, Beckstein und Seehofer haben zugesagt

München – Der neue Ministerpräsident hob die rechte Hand zum Schwur, er gelobte vor Gott „Gehorsam den Gesetzen“. Der frisch abgesägte Ministerpräsident saß im Plenum, musste es mit ansehen. Er wünsche Gottes Segen, sagte er vieldeutig, „aber auch die Loyalität der Fraktion“. So war das im Oktober 2008 mit Horst Seehofer (neu) und Günther Beckstein (alt).

Heute wird sich die Zeremonie so ähnlich wiederholen mit Markus Söder (neu) und Seehofer (alt). Am Vormittag kommt der Landtag zur feierlichen Wahl des Ministerpräsidenten zusammen. Ja, der zurückgetretene Regierungschef, inzwischen Bundesminister des Inneren, will persönlich dabei sein. Seehofer wird wie damals Beckstein in den Reihen der CSU-Fraktion, deren Mitglied er ja noch ist, Platz nehmen. Ob er Söder wählt oder nicht, wird sein Geheimnis bleiben. Die Wahl ist geheim. Vielleicht erinnert sich der Ingolstädter ja noch daran, wie ihn damals die Abgeordneten zappeln ließen. In einer internen Probeabstimmung verweigerten ihm 16 CSUler die Gefolgschaft, so viele, dass er keine Mehrheit mehr gehabt hätte. In der echten Wahl wenig später ließen ihn nur vier Abgeordnete der schwarz-gelben Koalition damals durchfallen, die Mehrheit stand.

Nein, Söder muss nicht zittern. 101 von 180 Abgeordneten stellt seine CSU. Es steht also eine eher rituelle Debatte an, ehe das Parlament zur Wahl schreitet. CSU-Fraktionschef Thomas Kreuzer will für Söder werben, „Anpreisung“ sagen seine Leute. Die Kollegen Natascha Kohnen (SPD), Ludwig Hartmann (Grüne, wenn heute wieder genesen) und Hubert Aiwanger (Freie Wähler) antworten. Um die 60 Minuten Redezeit wurde bereits im Ältestenrat gestritten, im Endeffekt dürfen die Grünen zum Beispiel 12,5 Minuten sprechen. Beobachtet von rund 100 Journalisten übrigens, und von Karin Söder, Edmund Stoiber und Beckstein auf der kleinen Ehrentribüne des Parlaments.

Vereidigen wird den neuen Regierungschef die Landtagspräsidentin Barbara Stamm, die das auch schon bei Seehofer tat. Für Söder wird sich in den Minuten seiner Wahl viel verändern, nichts davon unerwartet. Den vierten Stock der Staatskanzlei, den er mit ein paar Kameras im Schlepptau am Mittag beziehen will, kennt er schon von zahllosen Kabinettssitzungen. Das Gehalt steigt um 1731,90 Euro auf 18 331,62 Euro (mit Zulagen und Diäten im Jahr dann knapp 310 000 Euro).

An den ausgedehnteren Personenschutz für Ministerpräsidenten konnte er sich auch schon gewöhnen; seit er als Spitzenkandidat ausgerufen ist, hat er ständige Polizeibegleitung. Und sogar das Gefühl, im Landtag zur Wahl zu stehen, kennt er schon lange: 2007, bei der Wahl von Beckstein, gab ein Scherzbold einen Stimmzettel für Söder ab. Es war der einzige.

Der restliche Tag heute ist dicht gedrängt: ein Empfang, ein Ständchen einer 20-köpfigen Delegation des bayerischen Blasmusikverbands, der Umzug, mehrere Fernsehtermine. Schnell beginnt Söder auch die Gespräche über sein neues Kabinett, das am Mittwoch vereidigt wird. Am Wochenende folgen ein Parteitermin in Mittelfranken und der erste Auftritt als Ministerpräsident: in Oberbayern, beim Josefifest am Reutberg.

Dort erfüllt sich übrigens Söders eigene Prophezeiung: Im November hatte er bei der Leonhardifahrt in Bad Tölz als Vertreter Seehofers gesagt, er komme 2018 gerne wieder in den Landkreis – „das muss gar nicht als Vertretung sein“.

C. Deutschländer/S. Dorn

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