Datenschützer ermitteln gegen Facebook

von Redaktion

Beeinflussung im US-Wahlkampf durch ignoriertes Datenleck möglich – Britisches Parlament bestellt Firmenchef Zuckerberg ein

München – 31 Millionen Menschen in Deutschland nutzen Facebook. Entsprechend groß ist die Verunsicherung wegen eines angeblichen Datenlecks bei dem sozialen Netzwerk, womit eine andere Firma ersönlichkeitsprofile erstellt und den US-Wahlkampf beeinflusst haben könnte.

-Was sind die Vorwürfe?

Schon länger gibt es Gerüchte, dass das britische Unternehmen „Cambridge Analytica“ mithilfe von Facebook-Daten Nutzerprofile erstellt und damit den Wahlkampf von Donald Trump in den USA und der Brexit-Bewegung in Großbritannien unterstützt hat. Deren Gründer und Ex-Mitarbeiter Chris Wylie berichtet nun, dass 50 Millionen Datensätze von Facebook über einen Wissenschaftler dauerhaft an seine Ex-Firma geflossen seien. Facebook soll das Leck zwei Jahre lang ignoriert haben.

-Wie reagiert Facebook?

Mit Schadensbegrenzung. „Cambridge Analytica“ habe unrechtmäßig erhaltene Nutzerdaten entgegen früheren Zusicherungen nicht gelöscht, hieß es. Facebook sperrte die Firma aus, die Aktie verlor dennoch deutlich an der Börse. Auffällig: Der Facebook-Sicherheitschef Alex Stamos wechselt zudem auf einen anderen Posten. Er soll sich dafür eingesetzt haben, transparenter mit Vorwürfen umzugehen, wonach Russland Facebook zur Stimmungsmache im Wahlkampf benutzt habe.

-Was sagt die Politik?

Die britische Datenschutzbehörde ermittelt, ob Facebook nach Bekanntwerden des Lecks entschlossen genug gehandelt und rechtzeitig informiert hat. Zudem soll es bei „Cambridge Analytica“ eine Durchsuchung geben. Das britische Parlament will Facebook-Chef Mark Zuckerberg vorladen, ebenso einige Abgeordnete des US-Kongresses. EU-Justizkommissarin Vera Jourova bezeichnete es als „erschreckend“, dass persönliche Daten so einfach abgegriffen und für politische Zwecke eingesetzt worden sein könnten.

-Welche Daten sammelt Facebook?

Alles, was Nutzer in ihrem Profil angeben, wird gespeichert – also etwa Alter, Wohnort und Vorlieben wie die Lieblingsmusik. Zudem werden über Freundeslisten soziale Profile erstellt. Facebook erhält aber auch Datenströme außerhalb des Firmen-Kosmos. Möglich machen das sogenannte „Plug-ins“, das sind kurze Codes, die auf den meisten Internetseiten eingebunden sind. Die Nutzer können dadurch Beiträge direkt von diesen Seiten aus kommentieren, mit „Gefällt mir“ markieren und mit Freunden teilen. Im Umkehrschluss kann Facebook dank der Schnittstelle aber beinahe jeden Klick der Nutzer nachvollziehen. Auch Werbenetzwerke platzieren sogenannte „Cookies“, um das Surfverhalten zu verfolgen.

-Wird auch gelauscht?

Es gibt keine Belege zu Gerüchten, wonach Facebook Gespräche über Computermikrofone abhört. Solche Lauschangriff wären illegal. Richtig ist, dass Facebook diejenigen Computer verknüpft, auf denen sich ein Nutzer bei Facebook einloggt. Sucht er zum Beispiel in der Arbeit nach einem Flug, können ihm Zuhause passende Anzeigen eingeblendet werden.

-Was passiert mit den Daten?

Facebook sagt, seinen Nutzern möglichst relevante Inhalte anbieten zu wollen. Gleichzeitig kann die Firma personalisierte Werbung schalten. Kritiker sagen, dass dadurch Blasen entstehen, in denen Nutzer nur noch Infos sehen, die zu ihrem Profil passen. Damit könnten etwa Wahlpräferenzen verstärkt und das Verhalten beeinflusst werden.

-Wie kommen andere Firmen an die Infos?

Facebook bietet Schnittstellen für Drittanbieter an. Wer deren Apps und Spiele nutzt, stimmt meist der Weitergabe von Daten zu. Im aktuellen Fall soll laut „New York Times“ der britische Professor Aleksandr Kogan im Jahr 2016 eine harmlose Umfrage zu Persönlichkeitsmerkmalen angelegt und dabei weitere Infos zu Nutzern und deren Facebookfreunden abgesaugt haben. Die Daten gab er dann an „Cambridge Analytica“ weiter. Das Unternehmen weist die Vorwürfe zurück.

-Gibt es Schutz?

Umso mehr die Nutzer freiwillig über sich verraten, desto größer wird der Datenschatz. Mit dem Verzicht auf App-Plattformen von Drittanbietern kann zumindest eingegrenzt werden, welche Unternehmen die Daten noch erhalten. In den Einstellungen bietet Facebook an, gespeicherten Daten anzusehen und herunterzuladen. Alle autorisierten Drittanbieter werden im Bereich „Apps“ aufgelistet. Wichtig: Gesammelte Daten lassen sich kaum entfernen. Selbst nach dem Löschen eines Accounts bleibt ein „Schattenprofil“ erhalten. Facebook weigert sich zudem, deutsche Datenschutzstandards einzuhalten. Sebastian Dorn

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