Die EU und der Westbalkan

Im strategischen Interesse

von Redaktion

Die Westbalkanstaaten in die EU aufnehmen? So manchem Bürger hierzulande stockt da der Atem: Organisierte Kriminalität, Korruption bis in höchste Staatsämter, Gewalttätigkeit selbst in Parlamenten, Grenzkonflikte, ethnische Spannungen – die Liste der real existierenden Probleme in dieser Region ist lang. Darüber ist man sich auch in Brüssel völlig im Klaren.

Und doch ist es richtig, wenn sich die EU-Gipfelteilnehmer jenseits der aktuellen Krisenthemen um Trump, Putin und Erdogan auch mit der Frage beschäftigen, wie die sechs Staaten im Hinterhof der EU näher an und irgendwann auch in die Union geführt werden können. Denn längst haben fremde Mächte wie Russland, China und die Türkei den Staaten-Sixpack als interessantes Einflussgebiet für sich entdeckt und investieren Millionen, um dort politisch den Fuß in die Tür zu bekommen.

Es liegt deshalb im strategischen Interesse der EU, Serbien und Montenegro, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien, Albanien und Kosovo dabei zu unterstützen, ihre Probleme zu lösen und ihnen eine Perspektive für den EU-Beitritt zu eröffnen. 2025 hat die EU-Kommission bereits Serbien und Montenegro als eine Art Motivationsdatum angeboten. Das mag optimistisch sein. Doch die demokratischen Kräfte in den Balkanländern brauchen Anreize, um den mühseligen Kampf gegen mafiöse Clans und nationalistische Kräfte erfolgreich zu führen. Damit diese Staaten nicht zu Satelliten Moskaus, Pekings oder Ankaras mutieren.

Alexander Weber

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