Es ist das absolut richtige Signal: Mit der Schaffung eines Infrastruktur-Ministeriums beweist der neue Ministerpräsident Markus Söder, dass er die Schwachpunkte der Staatsregierung im vergangenen Jahrzehnt erkannt hat. Gerade im Großraum München ist einfach zu viel zu lange liegen geblieben: von der Stammstrecke über den Umbau des Hauptbahnhofs bis zur Express-S-Bahn zum Flughafen. Der Ausbau von Bahn- und U-Bahn stockt, der Wohnungsbau sowieso. Nirgends hielt die Infrastruktur mit der rasanten Entwicklung der Boom-Region mit.
Auf Ilse Aigner wartet also eine echte Herkulesaufgabe: Während sie im Wirtschaftsressort meist Erfolgsmeldungen verkünden durfte, muss sie nun ihre Durchsetzungskraft beweisen – und mit ihrer zugänglichen Art als Diplomatin wirken. Denn für viele Projekte braucht sie die Unterstützung des Bundes (der zuständige Minister ist ein gewisser Horst Seehofer) und natürlich die SPD-regierte Landeshauptstadt. Söders Plan eines Wohnungspaktes kann aber nur funktionieren, wenn alle Seiten über Parteigrenzen hinweg den Erfolg wollen – und der Ministerpräsident ihn nicht für sich alleine zu verbuchen sucht.
Man mag es beklagen, aber alle Zeichen deuten derzeit auf ein weiteres Wachstum des Großraums München hin, das sich bis weit nach Oberbayern auswirkt. Aufhalten kann die Politik diese Entwicklung nicht, aber sie sollte sie mutiger steuern. Nur ein Beispiel: Dass im Münchner Westen in Freiham quasi ein neuer Stadtteil entsteht, ohne ihn ans U-Bahnnetz anzuschließen, wird sich schon in wenigen Jahren als furchtbar kurzsichtig erweisen.
Mike Schier
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