Fall Skripal: Weitere EU-Schritte gegen Moskau

Putins Achillesferse

von Redaktion

Diplomaten ausweisen, keine Politiker oder Blaublütige zur Fußball-WM nach Russland schicken, Botschafter aus Moskau abziehen, Wirtschaftssanktionen – der Instrumentenkasten, mit dem die Europäer das mörderische Treiben Präsident Putins im Westen ahnden wollen, ist bunt und vielfältig. Die Frage ist nur, ob sich der Kreml-Herr davon wirklich beeindrucken lässt. Wohl eher nicht. Putins Achillesferse ist das Geld. Solange die Mitglieder seines Machtkartells ihr Vermögen sicher außerhalb Russlands in Euro, Pfund, Immobilien und Luxusyachten anlegen können, werden sie sich nicht vom Dauer-Regenten in Moskau lossagen. Warum auch?

Dabei spielt gerade Großbritannien für Putin-Freunde wie Putin-Gegner eine doppelte Rolle: Die einen sehen London bisher als sicheren Hafen für ihre Millionen an, die anderen als sicheres Versteck vor Putins Schergen. Wie man am Beispiel des mit Polonium getöteten Ex-Spions Litwinenko und jetzt im Fall des Giftanschlags auf den Doppelagenten Skripal und seine Tochter sehen kann, ist Letzteres mittlerweile ein Trugbild. Wenn Putin einen Befehl erteilt, scheint nichts und niemand abtrünnige Geheimnisträger im Exil retten zu können.

Wer das System Putin – und nicht die Menschen Russlands – treffen will, muss die Freiheit seiner Oligarchen und deren Vermögen beschränken. Laut britischen Medien besitzen Putins Freunde beispielsweise allein an den edlen Adressen Londons in Kensington, Whitehall oder Chelsea Immobilien im Wert von über einer Milliarde Pfund. Finden Premierministerin May und die EU-Regierungschefs den Mut, diesen Geldhahn zuzudrehen?

Alexander Weber

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