Eine amerikanische Freundin schreibt mir in dieser Woche, wie unzufrieden sie mit der Präsidentschaft Trumps ist. Er zerstöre die so lange bestehende Freundschaft zwischen den USA und Europa. Das wäre schlimm für Europa und vor allem für uns Deutsche, die wir mehr als andere auf freien Handel wie auf den militärischen Schutz im Nato-Bündnis angewiesen sind. Wir haben daher allen Grund, auf Trump zuzugehen mit dem Versuch, ihn von seinen zum Teil unsinnigen Ideen abzubringen.
Schon vor gut 200 Jahren hat der Schotte Adam Smith bewiesen, dass der Wohlstand der Staaten und ihrer Bürger durch nichts so gefördert wird wie durch Freihandel. Deshalb ist es kurzsichtig, dass Trump Schutzzoll erheben will auf Stahl- und Aluminiumeinfuhren. China hat schon angekündigt, amerikanische Landwirtschaftsprodukte wie Sojabohnen durch Gegenzölle zu behindern. Das wird Trump treffen, denn auf dem Lande ist die Kernwählerschaft des ungehobelten Präsidenten zu Hause.
Nicht weniger töricht aber verhält sich die EU-Kommission mit der Androhung von Vergeltungszöllen auf Harley- Davidson-Motorräder oder Jeans, von denen der Kommissionspräsident Juncker voreilig gesprochen hat.
Statt aus der Position einer vermeintlichen Überlegenheit auf Konfrontationskurs zu den USA zu gehen, sollte sich die EU lieber einmal an die eigene Nase fassen. Denn insgesamt verlangt die EU höhere Zölle als Amerika. Sie ist nämlich keineswegs so freihändlerisch gesonnen, wie es den Anschein hat. Ein geschickter Schachzug wäre es zum Beispiel, den USA anzubieten, dass die EU-Zölle auf von dort importierte Autos von derzeit zehn Prozent auf jene 2,5 Prozent gesenkt werden, die die Amerikaner gegenwärtig verlangen. Auch bei anderen Gütern könnte die EU ihre Zölle absenken und damit Trump den Wind aus den Segeln nehmen zum Vorteil der Verbraucher in Europa. Es sieht so aus, dass EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström im Sinne solchen wechselseitigen Entgegenkommens schon in Washington etwas erreicht hat. Denn die EU wurde bis Ende Mai zumindest von den gegenüber China bereits verhängten Zöllen ausgenommen. Die Zeit gilt es jetzt zu nutzen.
Ein ganz anderes Gebiet, wo Trump vor allem uns Deutsche meint, ist seine Forderung an die europäischen Nato-Partner, ihre Verteidigungsausgaben auf zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes zu erhöhen. Auch hier stellen wir uns gerne auf den überheblichen Standpunkt, Verteidigung habe doch mit Zöllen nichts zu tun. Die Wahrheit aber ist, dass wir uns in der Nato schon lange verpflichtet haben, die Zwei- Prozent-Marke zu erreichen. Dieses Versprechen einzulösen, liegt im ureigensten Interesse Europas und vor allem Deutschlands, das auf den Schutzschirm der Nato-Verbündeten, allen voran die USA, angewiesen bleibt. Die mangelnde Einsatzfähigkeit vieler Geräte unserer Bundeswehr muss ein Ende haben. Die allerdings ist nicht nur der andauernden Unterfinanzierung geschuldet. Denn es gibt begründete Zweifel, ob unser milliardenschwerer Wehretat überall sinnvoll verwaltet und eingesetzt wird.
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