Bürgerkrieg in Syrien

Armee erklärt sich zum Sieger in Ost-Ghuta

von Redaktion

von Jan Kuhlmann

Damaskus – Nach wochenlangen heftigen Angriffen syrischer Regierungstruppen steht die Armee kurz vor der vollständigen Einnahme der Region Ost-Ghuta. Am Sonntag soll auch die letzte Rebellengruppe einem Abzug zugestimmt haben, wie Staatsmedien und die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldeten. Die islamistische Miliz Dschaisch al-Islam selbst dementierte: Man wolle „standhaft“ bleiben.

Für die Regierung wäre die Einnahme des Gebiets ein weiterer wichtiger Erfolg im Bürgerkrieg. Die Opposition erleidet dadurch hingegen die schwerste Niederlage seit dem Verlust der Rebellengebiete der nordsyrischen Großstadt Aleppo im Dezember 2016.

In den vergangenen Wochen hatte die Armee Ost-Ghuta bereits fast vollständig unter Kontrolle gebracht. Rebellen halten sich nur noch in der Stadt Duma auf. Die Gruppe Dschaisch al-Islam und russische Unterhändler einigten sich laut Staatsmedien darauf, dass die Kämpfer in den Norden Syriens gebracht werden. Die Agentur Sana meldete, die Rebellen zögen in die Stadt Dscharablus ab. Diese wird von protürkischen Rebellen kontrolliert. Russische Militärpolizei soll für die Sicherheit der Anwohner Dumas sorgen.

Gegner der Regierung hatten die Region nahe der Hauptstadt Damaskus 2012 erobert. Ost-Ghuta ist für die Regierung strategisch bedeutend, weil die Rebellen von hier aus die Hauptstadt bedrohten. Immer wieder feuerten Milizen Granaten auf Damaskus ab. Bis auf ein Gebiet südlich der Hauptstadt ist nun bald das gesamte Umland von Damaskus wieder unter Regierungskontrolle.

Trotz des Erfolgs der Regierungstruppen ist der Bürgerkrieg noch lange nicht beendet. Rebellen kontrollieren weiterhin Gebiete im Norden und im Süden Syriens. Beobachter fragen sich nun, ob Armee und Verbündete bald eine nächste Offensive beginnen. Sie könnte sich gegen die Provinz Idlib im Nordwesten Syriens oder gegen die Region um die Stadt Daraa im Süden des Landes wenden. Die Türkei hat nach der Eroberung der nordsyrischen Region Afrin zudem angedroht, dort ihre Offensive gegen die Kurdenmiliz YPG fortzusetzen, die große Gebiete im Norden und im Osten Syriens beherrscht.

Bei den Kämpfen um Ost-Ghuta starben nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen mehr als 1600 Zivilisten. Bilder von Tod und Zerstörung schockten die Welt. Aktivisten warfen der Armee vor, Chlorgas eingesetzt zu haben. Da Ost-Ghuta von der Regierung seit Februar mit Unterstützung der russischen Luftwaffe belagert wurde und kaum Hilfe hineinkam, verschlechterte sich die humanitäre Lage zusehends. Menschen lebten über Wochen ohne Strom und Wasser in Kellern. Große Teile Ost-Ghutas sind nun massiv zerstört.

Am Sonntag verbreitete die staatliche Agentur Sana Bilder von Siegesfeiern der Armee in der Region. So hissten Soldaten die syrische Flagge. Das Staatsfernsehen sprach heroisch von einem „Sieg gegen die Terroristen“. Bereits am Samstagabend hatten andere Rebellen ein Gebiet Ost-Ghutas verlassen. Die rund 1200 Kämpfer und ihre Familien wurden in die von Rebellen kontrollierte Provinz Idlib im Nordwesten Syriens gebracht. Die Armee erklärte danach bereits die vollständige „Befreiung“ Ost-Ghutas, obwohl die Verhandlungen in der Stadt Duma noch liefen.

Außer den Rebellen verlassen auch Zivilisten die Stadt Duma. Rund 1300 Menschen sollen in andere Gebiete des Landes gebracht werden, erklärten Menschenrechtsbeobachter. Syrische Oppositionsmedien meldeten, es handle sich vor allem um humanitäre Notfälle. Bislang sind mehr als 130 000 Menschen geflohen, die meisten von ihnen in Regierungsgebiete. Dort sind Aufnahmelager überfüllt.

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