Rom – Papst Franziskus hat angesichts der blutigen Unruhen im Gazastreifen und des „schier endlosen Krieges in Syrien“ mehr Anstrengungen für Frieden gefordert. In Syrien mahnte er ein Ende der „Vernichtung“ an. „Wir bitten heute um die Früchte des Friedens für die ganze Welt, angefangen beim geliebten und gequälten Syrien, dessen Bevölkerung erschöpft ist von einem schier endlosen Krieg“, sagte der Pontifex in seiner Osterbotschaft. Vor Zehntausenden Menschen auf dem Petersplatz in Rom erteilte er anschließend den traditionellen Segen „Urbi et Orbi“. Wegen Terrorgefahr wurden die Sicherheitsvorkehrungen massiv erhöht.
Das Licht des auferstandenen Christus möge in Syrien „die Gewissen aller politischen und militärischen Verantwortungsträger erleuchten, auf dass die fortschreitende Vernichtung sofort beendet“ werde, mahnte der Papst. Das Völkerrecht müsse respektiert und der Zugang zu dringend benötigter Hilfe erleichtert werden. Ostern ist das wichtigste Fest für Christen in aller Welt. Sie feiern die Auferstehung Jesu.
In seiner Osterbotschaft ging der argentinische Papst auch auf Konflikte im Jemen, in Nordkorea, in Teilen Afrikas oder in Venezuela ein. Mit Blick auf die Massenproteste gegen Israel im Gazastreifen sagte er: „Wir beten um Früchte der Versöhnung für das Heilige Land, das auch in diesen Tagen durch offene Konflikte heimgesucht wird, die die Zivilbevölkerung nicht verschonen.“
Die deutschen Bischöfe warnten vor Fremdenfeindlichkeit und einem Aufflammen von Antisemitismus. Der Münchner Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx, rief dazu auf, sich für eine freie Gesellschaft zu engagieren. Ein Miteinander auch von Menschen unterschiedlicher Glaubensüberzeugungen und Kulturen könne gelingen. „Dazu braucht es viele Menschen, die ihre Freiheit verantwortlich und überzeugend leben.“
Gegen eine Ausgrenzung von Armen und Schwachen wandte sich der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm. Jeder Mensch müsse spüren und erfahren, dass er Teil dieser Gesellschaft sei, dass er gewollt sei und gebraucht werde, sagte er. Die Liebe Jesu sei das radikalste Gegenprogramm zur Ausgrenzung.
Schon bei der Kreuzwegprozession am Karfreitag am Kolosseum hatte der Papst eine „zertrümmerte Welt der Spaltung und der Kriege“ beklagt, in der Egoismus „die Jugendlichen, die Kleinen, die Kranken, die Alten“ an den Rand dränge. Die Vigilfeier in der Osternacht am Samstag nutzte der Papst, um die „verwirrten“ und „erstarrten“ Menschen aus ihrer Lähmung und erdrückender Routine zu reißen. Für den 81 Jahre alten Papst ist das Programm um die Feiertage enorm. Mittlerweile wird er teils auch von Helfern gestützt, da er seit längerem Schwierigkeiten beim Gehen hat. Nächstes Jahr muss er sich einer Augenoperation unterziehen, weil er schlecht sieht, wie er selbst bekannte.
Aus Furcht vor Anschlägen war die Gegend um den Petersplatz komplett abgeriegelt. Besucher wurden mehrmals durchsucht, um auf den mit zehntausenden Blumen geschmückten Platz zu gelangen. In Rom waren etwa 10 000 Sicherheitskräfte im Einsatz. mm/dpa