Moskau/London – Nach der Ausweisung dutzender Diplomaten hat Russland im Streit um den vergifteten Ex-Agenten Sergej Skripal einen Vorschlag für die Ermittlungen von Chemiewaffen-Experten angekündigt. Dieser solle am Mittwoch bei einer Sondersitzung der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) vorgestellt werden, sagte der russische Vertreter Alexander Schulgin. „Das wird ein einfacher, klarer Vorschlag, der dazu bestimmt ist, zu den Untersuchungen des Vorfalls in Salisbury beizutragen.“ Details nannte er nicht.
Russland hat die Sondersitzung des Exekutivrats der OPCW beantragt, um über den Fall Skripal zu beraten. Außenminister Sergej Lawrow sagte, es sollten Fakten geklärt werden, die zur Wahrheitsfindung beitragen. Die Sitzung findet Berichten zufolge unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die OPCW mit Sitz in Den Haag ist verantwortlich für die Umsetzung der Chemiewaffenkonvention. Sie ist eine unabhängige Organisation, die mit den Vereinten Nationen zusammenarbeitet.
Der frühere Doppelagent Skripal war am 4. März mit seiner Tochter Julia im südenglischen Salisbury gefunden worden. Großbritannien geht davon aus, dass beide mit dem in der früheren Sowjetunion entwickelten Kampfstoff Nowitschok vergiftet wurden und verdächtigt Russland. Moskau bestreitet dies vehement. Skripals Zustand ist weiter kritisch, seine Tochter kann Berichten zufolge wieder essen.
Der Fall hat die tiefe Krise zwischen Russland und dem Westen verschärft. In einem beispiellosen Schritt hatten rund 25 Staaten und die Nato etwa 140 russische Diplomaten ausgewiesen. Russland wies daraufhin ebensoviele Diplomaten aus.