Berlin – Die FDP muss sich nach den Worten ihres Vorsitzenden Christian Lindner bis zur nächsten Bundestagswahl besser aufstellen – und weiblicher werden. Ihr Frauenanteil liegt bei 22 Prozent. Und das Ungleichgewicht nimmt weiter zu. „Wir haben bei der Mitgliederentwicklung sehr positive Zahlen, die uns freuen“, sagte der FDP-Chef. „Aber es kommen weit überwiegend Männer. Durch dieses Ungleichgewicht droht der Frauenanteil eher zu sinken als zu steigen.“ Die Liberalen müssten sich selbstkritisch die Frage nach der parteiinternen Geschlechtergerechtigkeit stellen.
In der Tat hat die FDP trotz ihres heftig kritisierten Ausstieges aus den Jamaika-Sondierungen für eine schwarz-gelb-grüne Bundesregierung im November vergangenen Jahres eine positive Entwicklung bei ihrer Mitgliederzahl registrieren können. Doch Lindner mahnt seine Partei: „Wenn wir 2021 in Deutschland einen Richtungswechsel erkämpfen wollen, dann müssen wir die Zeit bis dahin nutzen, um noch besser zu werden.“ Nächste Etappen auf dem langen Marsch bis zur Bundestagswahl 2021 sind im Herbst die Wahlen in Hessen und vor allem in Bayern, wo die Liberalen künftig gerne mitregieren wollen.
In dieser Auseinandersetzung dürfte Lindner die männerdominierte Führungsmannschaft von CSU-Chef und Innenminister Horst Seehofer sehr gelegen gekommen sein. „Das ist so aus der Zeit gefallen. So wollen wir nicht sein“, warnt er. Zugleich will sich der FDP-Chef an Frauen wenden, die keine linke Wirtschaftspolitik wollen, wie sie Grüne, SPD und Linke vertreten, und auch die Gestrigkeit, diesen Mief der 50er-Jahre ablehnen, „den man bei der AfD sieht“.
Bis zum Parteitag Mitte Mai soll eine Arbeitsgruppe Vorschläge unterbreiten. Dann wird sich zeigen, wie weit und wie schnell die FDP ihrem Parteichef folgen wird.