Die Essener Tafel fragt Neuankömmlinge nicht mehr nach dem Pass, sondern bevorzugt Alleinerziehende, Familien und Senioren. Das ist ein gesichtswahrender Kompromiss, der weiterhin nicht jedem Einzelfall gerecht wird, aber die Ehrenamtlichen aus der Mitte eines bundesweiten Polit-Hurrikans holen kann. Zur Erinnerung: Die Helfer wurden zwischenzeitlich als Weichlinge oder Ausländerfeinde verunglimpft, von der Kanzlerin gerügt und von Politikern wie Medien instrumentalisiert. Was ziemlich bitter ist für einen Verein, der helfen will.
Weder haben sich die Tafel-Verantwortlichen die Ängste der älteren Menschen und der Mütter vor den vielen fremdsprachigen jungen Männern in der Warteschlange selbst ausgedacht. Noch haben die Helfer an der Basis diese Probleme verursacht. Und, genauso kurios: Gelöst wurde durch den Riesenwirbel um die Tafeln gar nichts. Nur einen positiven Effekt hat die wochenlange Debatte: Weiten Teilen des Landes ist jetzt endlich sonnenklar, dass – entgegen vieler Beteuerungen der Politik – eben doch langfristig handfeste Konkurrenz- und Verteilungsfragen aus dem millionenfachen Zuzug resultieren.
Christian Deutschländer
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