Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will den Personalmangel in der Pflege mit Kräften aus dem Ausland bekämpfen. Zu Recht führen Kritiker an, man könne die deutsche Pflegelücke nicht stopfen, allein indem man auf Zuwanderer setzt. Deshalb darauf zu verzichten, wäre aber völlig falsch.
Die Pflege ist keine Fließbandarbeit. Hier werden Menschen versorgt, die Bedürfnisse und Schmerzen haben. Genauso grundlegend wie die fachliche Qualifikation ist dabei die Fähigkeit zur Kommunikation – nicht nur zwischen Pfleger und Patient. Im Krankenhaus können Missverständnisse zwischen Pflegepersonal und Arzt sogar lebensgefährliche Folgen haben. Doch selbst wenn sie schon wegen dieser zu befürchtenden Sprachbarriere nicht die alleinige Lösung sein können, sind Migranten – auch bereits zugewanderte – ein wichtiger Baustein, um die deutsche Pflegekrise in den Griff zu bekommen. Weil ihre Arbeitskraft gebraucht wird, aber auch, weil die Sprachbarriere nicht nur von einer Seite droht. Auch unter den Pflegepatienten gibt es immer mehr Zuwanderer, die nicht Deutsch sprechen. Es braucht zunehmend Pfleger, die sie verstehen.
Jens Spahn hat also grundsätzlich Recht mit seiner Kritik, es dauere zu lange, Abschlüsse qualifizierter ausländischer Pflegekräfte hierzulande anerkennen zu lassen. Wer – wie Deutschland – jetzt schon mit 17 000 offenen Stellen zu kämpfen hat, kann es sich nicht leisten, nachweislich fähiges Personal erst einmal monatelang in die Warteschleife zu schicken.
Sebastian Horsch
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