Auch nach der zweiten Runde der Konsultationen bei Staatspräsident Mattarella im Quirinalspalast in der vergangenen Woche sind alle in etwa so schlau wie zuvor. Wie die unklaren Mehrheitsverhältnisse im neuen Parlament in eine stabile Regierung umgemünzt werden können, ist noch immer nicht absehbar.
Wahlsieger Luigi di Maio von den Cinque Stelle tut sich bei der Partnersuche schwer. Das Rechtsbündnis hingegen steht wegen des neuen Führungsanspruchs von Lega-Chef Matteo Salvini vor der Zerreißprobe. Und der Wahlverlierer Partito Democratico legt sich bisher einseitig auf die Oppositionsrolle fest. Die Sozialdemokraten drohen genau jenen verhängnisvollen Fehler zu wiederholen, den die SPD bei der Regierungsbildung in Berlin gemacht hatte: Die geschlagenen Renzi-Truppen sind dem Wähler beleidigt und ziehen sich trotzig in die Schmollecke zurück.
Damit liefern sie Italien ausgerechnet jenem Bündnis aus, das nicht nur für Europa ein Schreckgespenst ist – einer Koalition der populistischen Grillini mit der rechtsextremen Lega. Das scheint momentan die einzig verbliebene Konstellation. Mit einem Kursschwenk jedoch könnte die regierungserfahrene PD allzu radikale Positionen des Movimento abschwächen und gefährliche Politexperimente verhindern.
Ingo-Michael Feth
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