München – Es fällt nicht schwer, sich von Albert Füracker beeindrucken zu lassen. Von seiner massigen Statur, die den hölzernen Türrahmen im Finanzministerium locker ausfüllt. Oder von seiner sonoren Stimme, die das „Grüß Gott“ tief in den Raum rollen lässt. Füracker ist gerade 50 geworden und Staatssekretär für Finanzen, Landesentwicklung und Heimat. In diesem Moment noch.
Denn dieser Nachmittag am Odeonsplatz fällt in eine aufregende Phase in Fürackers Karriere. Eine Woche später wird der neue Ministerpräsident Markus Söder sein Kabinett benennen. Söder ist sein Freund, die beiden kennen sich seit über 25 Jahren. Ein Ministerposten scheint ihm so gut wie sicher. Dennoch sagt Füracker: „Wenn ich mir jetzt Hoffnung mache, könnte es sein, dass ich am Ende enttäuscht bin.“ Es klingt wie eine Prophezeiung: Sieben Tage später wirft Söder Ludwig Spaenle aus dem Kabinett, ebenfalls ein guter Freund.
Also redet Füracker lieber über das, was ihn im Moment beschäftigt: Breitbandausbau, Landesentwicklung, Regionalmanagement, Dezentralisierung – der Mann aus einem Weiler in der Oberpfalz ist ein Verfechter des ländlichen Raums. Er machte zunächst eine Ausbildung zum Landwirt und übernahm dann den landwirtschaftlichen Betrieb seiner Eltern. Eigentlich wollte er auch nie etwas anderes machen als das. Dabei hat Politik eine lange Tradition in der Familie Füracker. Sein Urgroßvater war Landtagsabgeordneter, sein Großvater Kreisrat, sein Vater brachte es immerhin zum Gemeinderat.
Die Verbissenheit, das verzweifelte Streben nach Macht und Einfluss in der Politik scheint ihm fernzuliegen. Erzählt er seine eigene Geschichte, klingt alles so unkompliziert, so leicht, ja unverbindlich. Als hätte er sich nie um irgendein Amt bemüht. Sondern so, als hätte sich das Amt immer um ihn bemüht. Zweiter Bürgermeister, Kreisrat, Vize-Landrat – man freute sich immer, wenn er kandidierte. Oft ohne Gegenkandidaten. Kommunalpolitik, ein Spaziergang.
Nur: Füracker ist versiert. Und selbstbewusst. „Wenn sich eine Chance bietet, sollte man sie ergreifen“, sagt er und boxt dabei wuchtig in die Luft. Schon mit 19 tritt er in die CSU ein, steigt schnell auf. Dort lernt er auch Söder kennen, dessen Stellvertreter er 1997 in der JU wird. Füracker war von Beginn an beeindruckt vom „Willen zur Macht“, den der junge Söder ausstrahlte: „Da wussten wir, das ist unser Stärkster. Der wird es weit bringen.“ Er selbst hat es seitdem auch weit gebracht: 2008 zum Abgeordneten, 2013 zum Staatssekretär, 2015 zum CSU-Bezirksvorsitzenden.
Als Söder sein Kabinett bekannt gibt, hat Füracker geschafft, worauf seine Karriere hinauslief: Der Mann aus der zweiten Reihe wird Finanz- und Heimatminister, folgt seinem Freund nach. Minister von Söders Gnaden? Er will sich nicht einlassen auf die Diskussion, spricht von „Bestätigung meiner Arbeit“. Auch er hat ihn, diesen Willen zur Macht. Dominik Wolf