Nach dem Militärschlag auf Syrien

Was ist der Preis für Assad?

von Redaktion

Die Erleichterung darüber, dass der westliche Militärschlag in Syrien weder Todesopfer gefordert, noch, wie es in der Militärsprache genannt wird, „Kollateralschäden“ bei Assads Verbündeten Russland und Iran hervorgerufen hat, ist groß, kann aber nur von kurzer Dauer sein. Zu explosiv, zu verfahren bleibt die Situation in dem Bürgerkriegsland. Ob die Botschaft an den Diktator, dass er mit Chemiewaffeneinsätzen eine rote Linie überschreitet, diesmal tatsächlich angekommen ist, bleibt abzuwarten. Die erste Strafaktion vor einem Jahr aus dem gleichen Anlass ließ Assad ungerührt an sich abtropfen.

Das wird sich so lange nicht ändern, wie Assads Pate in Moskau, Wladimir Putin, und das Mullah-Regime in Teheran dem Despoten in Damaskus nicht die Unterstützung entziehen. Russland trägt eine Mitverantwortung dafür, dass das syrische Regime überhaupt noch über Chemiewaffen verfügt. Auch für Moskau sollte der Preis, an Assad festzuhalten, langsam zu hoch werden. Das Risiko, dass Amerikaner und Russen, selbst bei solchen Symbol-Aktionen, einander in dem Multi-Fronten-Krieg treffen und damit eine nach oben offene Eskalationspirale in Gang setzen, ist real. Putin kann zudem nicht davon ausgehen, dass die letzte verbliebene Stimme der außenpolitischen Vernunft in Trumps US-Regierung, Verteidigungsminister Mattis, auch in der nächsten Krise gegen den eruptiven Präsidenten und seine Oberfalken vom Schlage John Boltons die Oberhand behält.

Die Gretchenfrage lautet also: Was ist Putins Preis für die Aufgabe Assads?

Dies zu klären ist die klassische Aufgabe der Diplomatie. Deutschland und Frankreich haben eine gemeinsame Initiative angekündigt. Das klingt erst mal gut. Nach dem diplomatischen Dauer-Debakel im UN-Sicherheitsrat sind die Hoffnungen auf ein baldiges Ende des Sterbens in Syrien allerdings begrenzt.

Alexander Weber

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