Rom – In die festgefahrenen Verhandlungen über eine neue Regierung hat Staatspräsident Sergio Mattarella nun mit einem außergewöhnlichen Schritt neue Bewegung gebracht. Er beauftragte die erst vor Kurzem zur Präsidentin des neuen Senats gewählte Maria Elisabetta Alberti Casellati mit einem sogenannten explorativen Mandat, um eine eventuelle Koalition zwischen der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung und dem Rechtsblock unter Führung der Lega auszuloten.
Casellati selbst gehört zwar der Forza Italia an, gilt jedoch als überparteilich und integer. Sie wurde durch eine Absprache der beiden siegreichen Protagonisten, Lega-Chef Matteo Salvini und Fünf-Sterne-Führer Luigi di Maio, ins Amt gewählt; das übrigens gegen den Willen von Silvio Berlusconi, der von der Aktion überrumpelt wurde. Aus diesem Grunde genießt Casellati auch bei den Fünf Sternen Akzeptanz.
Mattarella hat ihr einen konkreten Auftrag erteilt: Zu prüfen, ob es noch Aussichten auf eine gemeinsame Regierungsmehrheit zwischen dem fragilen Rechtsbündnis um Salvini und Berlusconi auf der einen, und dem Movimento unter Spitzenkandidat di Maio auf der anderen Seite gibt. Vorausgegangen war in den letzten beiden Wochen ein Tauziehen um Person und Rolle von Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi. Nach anfänglichen Absetzbewegungen besteht die rechtsextreme Lega nun auf Einbeziehung von dessen Forza Italia in eine künftige Regierungskoalition. Die Fünf Sterne lehnen dies strikt ab; ihnen gilt der wegen Steuerbetrugs rechtskräftig verurteilte Cavaliere geradezu als Verkörperung jener korrupten und verfilzten politischen Klasse, die sie endlich ablösen will.
Zudem beanspruchen Salvini und di Maio das Amt des Premiers jeweils für sich. Seitdem ist die Situation völlig blockiert. Der Staatschef drückt nun aufs Tempo, bis zum Wochenende will er Ergebnisse. Sollte dann immer noch keine Aussicht auf eine regierungsfähige Mehrheit erkennbar sein, könnte er einen überparteilichen Kandidaten seines Vertrauens ernennen, der eine Regierung aus Fachleuten führt. Michael Feth