Während die Israelis den 70. Geburtstag des Judenstaates feiern, wird ihren bei uns gebliebenen Glaubensbrüdern inzwischen fast täglich vor Augen geführt, wie bedrückend für sie und ihre Kinder das Leben in Deutschland geworden ist: Da skandiert ein arabischer Mob in den Straßen Berlins „Juden ins Gas“. Da schikanieren muslimische Schüler jüdische Klassenkameraden. Da werden Kippaträger – wie gestern in Prenzlauer Berg – auf offener Straße attackiert. Und eine gedankenlose Party-Szene feiert präpotente Gangsta-Rapper für primitive antisemitische und frauenverachtende Verse noch mit Preisen wie dem Echo.
Etwas stimmt nicht in der Einwanderungsgesellschaft, die sich unentwegt ihrer Toleranz rühmt, aber nicht die Zivilcourage hat, sich der Intoleranz in den Weg zu stellen. Wir dürfen nicht wegsehen, wenn Neubürger von Religionsfreiheit nur reden, wenn es um die eigene Religion geht, und ansonsten den Hass, vor dem sie aus ihrer Heimat geflohen sind, bei uns weiterkultivieren, Seite an Seite mit den Rechten, die schon immer da waren. Ja, es gibt Politikeraufrufe und auch ein paar Künstler, die ihren Echo zurückgeben. Aber eine breite Debatte über die Unkultur der sich ausbreitenden Judenfeindlichkeit gibt es nicht, schon gar nicht dort, wo man sonst immer reflexhaft „Ausgrenzung!“ schreit. Weil, wer sich dieser Debatte stellt, zugeben müsste, dass Integration gerade in Multikulti-Biotopen wie Berlin zu oft misslingt? Oder ist es uns egal, solange es nur eine andere Minderheit trifft? Gehört der Antisemitismus jetzt auch (wieder) zu Deutschland? Es wäre eine Schande, wenn Juden sich ein zweites Mal entschließen müssten, aus Deutschland nach Israel zu fliehen.
Georg Anastasiadis
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