Bund der Vertriebenen

Neuer Name gesucht

von Redaktion

„Vertreibung ist nicht einzige Klammer der Zusammengehörigkeit“

Berlin – Der Bund der Vertriebenen (BdV) erwägt, seinen Namen zu ändern. Dieser sei nicht mehr vollständig, „wenn er die Vertreibung als einzige Klammer der Zusammengehörigkeit darstellt“, sagte BdV-Präsident Bernd Fabritius (CSU) der „Welt“. Er habe daher eine interne Debatte darüber angestoßen, wie der Name erweitert werden könne.

Vertreibung gehöre zur Identität des Verbandes, so Fabritius weiter. Allerdings seien inzwischen „sehr viele Menschen in unserem Verband vereint, die nie vertrieben wurden“. Außerdem hätten sich die Aufgaben weiterentwickelt. „Das, was wir abdecken, ist inzwischen viel mehr, als nur diesen historischen Moment Vertreibung zu thematisieren.“

Stärker wolle man sich künftig auf deutsche Minderheiten etwa in Polen, Rumänien oder Russland konzentrieren, sagte der BdV-Präsident: „Ich sehe keinen Unterschied zwischen den Schlesiern, die vertrieben wurden und den Schlesiern, die heute noch in ihren Herkunftsregionen leben.“ Die deutschen Minderheiten könnten „Botschafter“ sein im bilateralen Verhältnis zwischen Deutschland und Polen.

Gleiches gelte für Russlanddeutsche, von denen noch mehr als eine halbe Million in Russland lebten. „Das sind ganz loyale Staatsbürger ihres heutigen Heimatlandes Russland, aber genauso überzeugte Deutsche.“ Sie erfreuten sich einer eigenen Kulturkreiszugehörigkeit und wollten diese leben. „Das ist eine Chance für die bilateralen Beziehungen.“

Zur AfD äußerte sich Fabritius distanziert. Die Partei stehe für Positionen, „die im BdV im breiten Personenkreis nicht konsensfähig sind“. Zwar seien die deutschen Heimatvertriebenen „sehr wertebezogen“; Begriffe wie Identität, Familie und Heimat seien ihnen wichtig. „Diese Werte werden aber von vielen Parteien vertreten.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte die Heimatvertriebenen als „wichtige Brückenbauer“ in Deutschland sowie zu den Nachbarstaaten bezeichnet. Beim BDV-Jahresempfang betonte sie zugleich mit Blick auf die Aufnahme von Flüchtlingen: „Die Vertriebenen wissen, wie wichtig Heimat ist.“

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