Mar-a-Lago – Donald Trump gilt als politischer Lautsprecher, doch er kann offenbar auch stille Diplomatie: Die US-Regierung hat nach seinen Worten zuletzt direkte Gespräche auf höchster Ebene mit Nordkorea geführt. Solche Kontakte zwischen beiden Ländern sind extrem selten. Ein direktes Gespräch Trumps mit dem nordkoreanischen Führer Kim Jong Un habe es dabei zwar noch nicht gegeben, wie Trumps Sprecherin Sarah Huckabee Sanders erklärte. Aber ein Treffen zwischen beiden Staatsoberhäuptern könnte im Juni stattfinden.
Dafür war der noch amtierende CIA-Direktor und designierte US-Außenminister Mike Pompeo nach Berichten von US-Medien über das Osterwochenende in Nordkorea mit Kim zusammengetroffen. Pompeo sei dort als ein Botschafter Trumps gewesen, schrieb die „Washington Post“ dazu. Die US-Regierung wollte das nicht kommentieren. Man nehme zur Reisetätigkeit des amtierenden CIA-Direktors keine Stellung, hieß es lapidar. Pompeo ist von Trump zwar als US-Außenminister nominiert, aber noch nicht vom Senat bestätigt worden.
Trump hatte bei einem Treffen mit Japans Regierungschef Shinzo Abe in seinem Domizil in Mar-a-Lago (Florida) gesagt, die USA hätten auf höchster Ebene mit Nordkorea gesprochen. Es war zunächst aber nicht klar, wer damit gemeint war. Seit mehreren Wochen steht ein Treffen Trumps mit Kim im Raum. Trump nannte jetzt den Zeitraum früher Juni. „Ich glaube wirklich, dass es viel guten Willen gibt“, sagte Trump. Man werde sehen, was passiert. „Es ist das Endresultat, das zählt“, sagte Trump.
An die Adresse Süd- und Nordkoreas gerichtet, sagte der US-Präsident: „Sie haben meinen Segen, ein Ende des Krieges zu diskutieren. Es passiert genau jetzt.“ Nach dem Koreakrieg in den Jahren 1950 bis 1953 wurde kein Friedensvertrag zwischen dem Norden und dem Süden geschlossen. Deswegen befinden sie sich formal noch im Kriegszustand. Gestern trafen sich auch der südkoreanische nationale Sicherheitsberater Chung Eui Yong und der neue US-Sicherheitsberater John Bolton zu Gesprächen über ein mögliches Friedensabkommen auf der koreanischen Halbinsel. „Wir erwägen die Möglichkeit, den Waffenstillstand auf der koreanischen Halbinsel durch ein Friedensabkommen zu ersetzen“, sagte ein hochrangiger Vertreter des südkoreanischen Präsidialamts dazu.
Pompeos Reise diente dazu, zunächst das Treffen Trumps mit Kim vorzubereiten und ein Fundament für sie zu legen. Es ist seitens der USA das höchstrangigste Treffen mit Nordkorea, seit die damalige Außenministerin Madeleine Albright im Jahr 2000 den damaligen Machthaber Kim Jong Il getroffen hatte. Im Jahr 2014 war der nationale Geheimdienstdirektor James Clapper in Nordkorea gewesen, es ging um die Freilassung amerikanischer Gefangener.
Für ein Treffen mit Kim Jong Un stellte Trump selbst nun den frühen Juni in Aussicht. Bisher war für ein Gespräch der beiden immer der späte Mai genannt worden. Einschränkend sagte Trump, es sei auch möglich, dass ein Treffen mit Kim nicht zustande komme. Dies hänge wesentlich vom Erfolg zuvor angesetzter Gespräche zwischen Seoul und Pjöngjang ab. Wo das Gespräch mit Kim stattfinden würde, ist nach wie vor offen. Trump sagte, in der engeren Auswahl seien fünf Orte. Keiner davon liege in den USA.
Trump erklärte an die Adresse seines Gastes gerichtet, Japan und die USA stünden in der Nordkorea-Frage im Schulterschluss zusammen. Aus Japan hatte es zuletzt Kritik daran gegeben, dass Tokio als Alliierter und Anrainer von einem möglichen Gespräch Trumps mit Kim überrascht worden war.