Volle Fahrt voraus im Tourismus

von Redaktion

Staatsregierung plant Buslinie entlang der Alpenkette – Kleinere Hotels und Betriebe sollen gefördert werden

München – Eine Alpenbuslinie schwebt Markus Söder vor. In einem Nebensatz bringt der neue Ministerpräsident diese Idee in seiner Regierungserklärung unter, als er vom Öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) spricht, den er deutlich ausbauen will: Zusätzlich 100 Millionen Euro pro Jahr sollen fließen, 2000 Busse, 100 Trambahnen und 50 U-Bahnen angeschafft, die kommunalen Verkehrsverbände unterstützt werden. Und es soll eben eine Busverbindung entlang der Alpenkette entstehen.

Genauer wird Söder nicht. Aber Verkehrsministerin Ilse Aigner kann sich einen „Alpenbus“ gut vorstellen, „der zum Beispiel von Weilheim bis Miesbach ungefähr entlang der Bundesstraße B472 fährt“. Ebenso eine Ringlinie in den Landkreisen rund um München.

Neu ist die Alpen-Idee für den Tölzer Landrat Josef Niedermaier (FWG) nicht. Eine Tangentialverbindung zwischen den Kreisen Miesbach, Bad Tölz-Wolfratshausen, Weilheim und Garmisch-Partenkirchen habe der Planungsverband Region Oberland, dessen Vorsitzender er ist, bereits im Januar im Beisein Söders gefordert. „Ich sehe es äußerst positiv, wenn die Staatsregierung diese Idee nun umsetzt.“ Die Landkreise hätten ein Strukturgutachten erstellen lassen. „Das Fehlen der Querverbindungen wurde darin moniert.“

Auch Miesbachs Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne) begrüßt die Schaffung einer Alpenbuslinie. „Bisher ist alles sternförmig auf München ausgerichtet.“ Der Freistaat müsse sich aber finanziell beteiligen. „Es darf nicht nur eine Aufforderung an die Landkreise sein.“

Die Finanzierung sieht auch Weilheims Landrätin Andrea Jochner Weiß (CSU) kritisch. „Jeder macht an der Landkreisgrenze Halt.“ Die Regierung müsse eine Anschubfinanzierung leisten. Ob die Linie sich dann alleine trage, zeige sich erst später. „Aber es würden nicht nur Touristen, sondern auch Einheimische von so einer Buslinie profitieren.“

Überhaupt der Tourismus: Söder plant Investitionen und hat eines im Blick: den Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur und die Stärkung der Dörfer. „Bayerische Gemütlichkeit ist ein Exportschlager in der Welt. Aber die Konkurrenz schläft nicht“, sagt er. So sollen kleine Hotels und Pensionen gefördert und Dorfgastwirtschaften modernisiert werden. Konkrete Summen nennt Söder aber auch hier nicht. Das Wirtschaftsministerium arbeitet an Details.

„Der richtige Ansatz“, findet Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga). „Die kleinen Betriebe machen das Gesicht Bayerns aus.“ Bürokratie und Auflagen hätten viele zum Aufgeben gezwungen. Rund 500 Gemeinden in Bayern seien bereits ohne Wirtshaus. Die Vielfalt drohe für immer wegzubrechen. Nur mit den richtigen Entscheidungen könne Bayern künftig mit Österreich mithalten, wo bessere Rahmenbedingungen herrschten, wie niedrigere Mehrwertsteuersätze und flexiblere Arbeitszeiten. Die Dehoga fordere deshalb ein Investitionsförderprogramm für kleinere Gastwirtschaften in Höhe von 60 Millionen Euro für vier Jahre. aglaja adam

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