Die erste Watschn für den Landesvater? Beim Maibock-Anstich am Mittwoch wird Markus Söder zum ersten Mal im neuen Amt derbleckt. Starkbierredner Django Asül mag im Interview mit unserer Zeitung keine Schonung versprechen. Söder wird, anders als Vorgänger Seehofer, aber selbst im Saal sein und auch das Wort ergreifen.
-„Söder ist der Richtige“, sagten Sie schon 2015, „aber ich habe keine Ahnung, wofür.“ Hat sich daran was geändert?
Ich war echt ahnungslos. Aber ich gebe mir seit Jahren redlich Mühe, ihm ein Forum zu bieten. Er hat beim Maibock gelernt: Als großer Entertainer muss er auf diesem Planeten nicht mehr unbedingt brillieren, aber politisch ist immer Luft nach oben.
-Wird er als neuer Landesvater heuer geschont oder extra hergewatscht?
Ich schaue wie immer ganz fair: Was liefern mir Politiker das Jahr über? Nach der großen Harmonieshow von Söder und Seehofer im Herbst muss ich mich nicht über Stoffarmut beschweren. Ich kann in die Vollen greifen.
-Oh. Söder teilt ja gerne aus. Aber steckt nicht so gerne ein, gell?
Kann er schon auch. Ich glaube, da hat im Laufe der Jahre ein gewisser Wandel stattgefunden. Je weniger Mitstreiter er um sich herum sah, umso entspannter wurde er. Jetzt ist er an seinem Ziel angekommen, auch das wird seinem Entspannungsgrad gut tun.
-In seiner Regierungserklärung versprach er „Hyperloops“ und Raumfahrtprogramme, Geld für alle und Kruzifixe in jedem Behördenwinkel. Worüber machen Sie sich lustig?
Ein schlüssiges Konzept: Markus Söder fokussiert sich ganz speziell – auf alles. Das muss man ihm erst mal nachmachen. Niemand soll ihm auskommen, vom alteingesessenen Bayern bis zum Flüchtling; der Flüchtling erst recht nicht. Und der Hyperloop wird sicher ein Dreh- und Angelpunkt: Das ist die Fortschreibung des Transrapids, die rasante Weiterentwicklung der Stoiber’schen Politik, nur noch schneller. Ein Söder-Symbol!
-Die Politik insgesamt hat doch so ein aberwitziges Tempo. Maibock 2017: Da haben wir alle drüber geredet, dass der Seehofer ja jetzt echt bis 2023 weitermacht. Mindestens.
Das hat sich wohl einige Minuten nach der Bundestagswahl geändert. Wir wissen dafür jetzt, dass Bayern eine starke Opposition hat. Innerparteilich, in der CSU. Und Markus Söder weiß nun aufgrund seiner Erfahrung, die er mit sich selbst hat: In der CSU darf man eines nie aus dem Auge verlieren – die CSU.
-Mehrere Konstanten Ihres Maibock-Spotts sind heuer weg. Scharf. Spaenle. Pronold. Schade?
Umso besser. Ich habe auch nicht große Lust, mich jedes Jahr über die gleichen Persönlichkeiten herzumachen. Über jedes neue Gesicht bin ich froh. Das war ja meine große Bitte an Söder: Völlig unabhängig von politischer Kompetenz eine große Anzahl neuer Köpfe zu berufen. Er hat meine Vorgabe übererfüllt. Die neuen Minister bieten für mich viel Potenzial. Für ihn vielleicht weniger.
-Wird von denen der eine oder andere beleidigt nach Hause humpeln, weil er erstmals derbleckt wird?
Das ist eine Sondersituation. Die sind ja alle erst ein paar Wochen im Amt. Vor lauter Begeisterung über sich haben manche mit der Tätigkeit oder Untätigkeit noch gar nicht losgelegt. Meine Aufgabe ist, dem breiten Volk diese Gesichter bekannt zu machen.
-Ernsthaft: Was ist die Rolle eines Starkbierredners in einer so politisierten, gespaltenen Gesellschaft, wie wir sie erleben?
Meine Rolle ist unverändert, egal, was draußen los ist. Das klassische bayerische Derblecken heißt: Ich nehme mir die aktuelle Politik vor und mache daraus ein amüsantes Spektakel. Auch der Derbleckte darf mit einem Grinsen nach Hause gehen, weil ich ihn am Leben lasse.
-Macht’s Ihnen im elften Jahr noch Spaß?
Absolut!
-Kein plötzlicher Rücktritt am Ende der Rede?
Man soll nie „nie“ sagen. Aber Stand jetzt gilt: Ich habe einen Vertrag bis 2019. Das politische Karussell dreht sich immer schneller. So lange das so ist, werde ich auch meinen Spaß haben als Maibockredner.
Interview: Christian Deutschländer
Im Fernsehen
Das Bayerische Fernsehen strahlt den Maibock-Anstich am Mittwoch, 20:15 Uhr, aus.