Oberbayerns Gastgewerbe tief im Mief der 70er-Jahre zu verorten, klingt forsch, wäre aber längst nicht mehr zutreffend. Zu heterogen ist die Branche. Vielerorts sind kleine und größere Premium-, teils Luxusangebote entstanden, vieles neu, manches klug aus dem Bestand entwickelt. Man mag ja lästern über Wellness-Tempel oder über die schier endlosen Cabrio-Konvois von München zum Tegernsee – für die Tourismus-Regionen sind aber auch solche Angebote und Zielgruppen unverzichtbar.
Das Problem dabei: Die Modernisierung hat nicht alle Landkreise erreicht. Teile des Alpenrands plagt ein Investitionsstau, dieser Teufelskreis aus sinkenden Umsätzen bei steigendem Modernisierungsbedarf. Die Defizite treten besonders offensiv dort zutage, wo die Grenze zum Nachbarland Österreich nah ist, das den Investitionsrückstand früher und offensiver angepackt hat. (So früh, dass manches Gasthaus drüben auch schon wieder eine Überarbeitung bräuchte.) Hier geht’s nur zu einem kleinen Teil um sternengeschmückte Großprojekte, sondern gerade um die kleine, sympathische, aber jetzt halt einfach überalterte bayerische Dorfpension.
Bei zwei Schritten kann die Politik helfen: Bürokratie abbauen, Regeln lockern. Und, wenn’s nicht anders geht, Investitionen anschieben: Ein Förder-Fokus der Staatsregierung auf kleinen Wirtshäusern und Pensionen ist richtig. Da bleibt jedoch offen, ob es die Branche auch annimmt. Falls selbst in einer guten Wirtschaftslage, bei (noch) Niedrigstzinsen und frischem Fördergeld nicht stärker investiert werden sollte, ist das Gasthaus-Sterben auf dem Land wohl nicht zu stoppen. Mit traurigen Folgen für den Tourismus und für das Dorfleben.
Christian Deutschländer
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