Bei der Bahn läuft etwas falsch: Sie sperrt eine Hauptverkehrsader sechs Wochen lang – und macht das zum Problem ihrer Kunden: Tausende Fahrgäste täglich sehen mit Sorge den Sommerferien entgegen, wenn die S1-Strecke gesperrt ist. Sie hätten in der Zeit eigentlich eine Erschwerniszulage verdient. Doch das Gegenteil ist der Fall: Zwar will die Bahn einen umfangreichen Ersatzverkehr organisieren, dennoch zeigen sich die Verantwortlichen im Detail knausrig, uneinsichtig, teilweise auch schikanös.
Beispiele: Es wird keine Expressbusse geben, die die Fahrgäste ab Freising direkt nach München befördern. Nein, sie müssen zuerst via Bus zum Flughafen fahren und dort in eine S-Bahn steigen. Zusätzlicher Zeitbedarf: eine Stunde. Es gibt auch keinen Expressbus, der die Baustelle Neufahrn–Feldmoching in einem Rutsch überbrückt. Nein, der Bus wird alle Haltestellen abklappern – Fahrzeit von Freising bis Feldmoching: schlappe 69 Minuten. Ein Leser, der täglich von Freising via Feldmoching per U2 zur U-Bahnhaltestelle „Am Hart“ pendelt, wird jetzt gezwungen, den Umweg über den Flughafen zu nehmen. Die Innenraum-Ringe 1 und 2, die er sonst nicht braucht (jetzt aber schon), muss er selbst zahlen. Es gibt auch Pendler aus Regensburg, denen jetzt geraten wird, via Ingolstadt nach München zu fahren. In Ingolstadt könnten sie wenigstens in den ICE umsteigen – aber die Bahn erlaubt nur den Zustieg in Regionalzüge.
Die Beispiele ließen sich fortsetzen. Wo bleibt der Aufschrei der Fahrgastverbände, wo der der Politik? Noch ist Zeit, um den Ersatzverkehr anständig zu organisieren.
Dirk Walter
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