Musikpreis Echo wird abgeschafft

Das Problem bleibt

von Redaktion

(Zu) lange hat es gedauert, jetzt hat der Bundesverband Musikindustrie die Notbremse gezogen und das Aus für den Musikpreis Echo in der bisherigen Form beschlossen. Es gab keine andere Lösung, nachdem vor zwei Wochen die Rapper Farid Bang und Kollegah für ihr Album mit antisemitischen Textzeilen geehrt wurden.

Es ist nicht schade um den Echo, der ein unwichtiger Preis war. Er sagt nichts über die künstlerische Qualität der ausgezeichneten Musiker, sondern lediglich etwas über deren ökonomischen Erfolg. Das Bestürzende und Beschämende am aktuellen Skandal ist der tiefe Kotau des Bundesverbands vor den Verkaufszahlen – und die Feigheit aller an der Verleihung Beteiligten (ob als Veranstalter oder Gäste) im Augenblick des Auftritts der Rapper. Der Protest Einzelner bei der Gala lässt das Schweigen der Mehrheit noch lauter dröhnen.

Der Echo ist Geschichte. Das Problem bleibt: Musik mit antisemitischen, homophoben und frauenverachtenden Texten, die von derart vielen Menschen in Deutschland gekauft wird, dass sie die Charts dominiert. Das ist in der Tat nicht nur ein Problem der Musikindustrie, das ist eine Aufgabe für Politik und Gesellschaft.

Michael Schleicher

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