Frankreichs Staatsbesuch in den USA

Macrons Spagat

von Redaktion

Staatsbesuche bieten gewöhnlich Pomp und diplomatische Floskeln, aber nur selten richtige Lehren. Eine der Erfahrungen, die Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bei US-Präsident Donald Trump gemacht hat: Man kann reden, man kann sich am Spagat zwischen europäischen Interessen und Trumps Positionen entlanghangeln – aber am Ende steht doch ein großes Fragezeichen.

Ungewöhnlich offen wurde bei dem Staatsbesuch über den Brennpunkt Iran gesprochen. Trump wütete wie so oft gegen die Mullahs. Macron schwieg nicht, sondern versuchte, ihn mit der Offerte eines neuen Deals zu besänftigen. Gleichzeitig machte er klar, dass ein Gesamtkonzept für die Region inklusive Syrien her muss. Was Trump am Ende entscheiden wird, kann noch niemand sagen. Zur Erinnerung: Aus dem „kleinen Raketenmann“ Kim machte er kürzlich flugs eine „ehrenhafte“ Person.

Der von den USA und Frankreich praktizierte Schmusekurs macht sich gut für die Kameras. Die Suche nach einem Plan für den Nahen und Mittleren Osten, der dann auch für die anderen Staaten tragbar ist, wird aber weitergehen, wenn die roten Teppiche eingerollt sind. Vielleicht gelingt es der an Pomp nicht interessierten Kanzlerin, am Freitag mehr Licht in Trumps Absichten zu bringen.

Friedemann Diederichs

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