Istanbul – Die in der Türkei unter Terrorverdacht angeklagte deutsche Journalistin und Übersetzerin Mesale Tolu hofft auf eine baldige Ausreise mit ihrem Sohn. „Ich hoffe natürlich, dass meine Meldepflicht und meine Ausreisesperre aufgehoben werden“, sagte die 33-Jährige vor der Fortsetzung ihres Prozesses am Donnerstag in Istanbul. „Ich würde packen und dann sobald wie möglich nach Deutschland ausreisen, in meine Heimat.“
Tolu besitzt ausschließlich die deutsche Staatsbürgerschaft. Sie war im vergangenen Jahr fast acht Monate lang in der Türkei inhaftiert gewesen. Die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) forderte die türkische Justiz auf, „das Ausreiseverbot gegen Tolu aufzuheben und die konstruierten Vorwürfe gegen die Journalistin endlich fallenzulassen“. ROG-Geschäftsführer Christian Mihr sagte: „Solange Tolu das Land nicht verlassen darf, bleibt sie eine politische Geisel der türkischen Regierung.“
Die Staatsanwaltschaft wirft Tolu, ihrem Ehemann Suat Corlu und 25 weiteren Beschuldigten Terrorpropaganda und Mitgliedschaft in einer Terrororganisation vor. Die Angeklagten weisen das zurück. Im Dezember war Tolu nach massivem Druck der Bundesregierung aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Das Gericht verhängte aber eine Ausreisesperre.
2017 war es wegen der Inhaftierung von Tolu, Deniz Yücel und Peter Steudtner zu einer Krise zwischen Berlin und Ankara gekommen. Als letzter von diesen drei Gefangenen wurde im Februar Yücel freigelassen. Immer noch sitzen aber mehrere Deutsche nach Angaben des Auswärtigen Amts aus politischen Gründen in Haft. Yücel und Steudtner konnten nach der Freilassung ausreisen.