Dass Donald Trump erst Stunden vor Fristablauf die Ausnahmen von Strafzöllen für die EU verlängerte, spricht für seinen Hang zur Dramatik. Er werde sich niemals in die Karten schauen lassen, ist eines der Leitmotive des US-Präsidenten. Deshalb ist auch angesichts Trumps berüchtigter Volatilität unklar, wie es nun nach Ablauf der nächsten vier Wochen weitergeht.
Auch Wirtschaftsminister Peter Altmaier und Bundeskanzlerin Angela Merkel haben bei ihren Washington-Besuchen nach Kräften versucht, die US-Regierung von der Schädlichkeit der angedachten Zölle zu überzeugen. Ob es gewirkt hat, ist nicht absehbar. Das einzige, was im Weißen Haus wirklich klar ist: Trump hat bei den meisten seiner Entscheidungen vor allem die einheimische Kernwählerschaft mit Fastfood-Parolen im Visier. Ob er allerdings auch begriffen hat, dass zusätzliche Abgaben auf Stahl und Aluminium für EU-Hersteller am Ende auch den Konsumenten in den USA schaden könnten? Bestimmte Produkte würden sich verteuern – und die geplanten Gegenmaßnahmen in Europa wären für Washington auch nicht gerade wünschenswert.
Deutsche und europäische Vertreter sollten die verbleibende Zeit nutzen, Trump die Schädlichkeit seiner Rambo-Handelspolitik wie bisher geschlossen klar zu machen. Sie sollten auch zeigen, dass man nicht erpressbar ist. Denn die transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen brauchen Berechenbarkeit, Fairness und Stabilität. Und das sind Begriffe, für die der US-Präsident mit seiner bisherigen Politik leider überhaupt nicht stand.
Friedemann Diederichs
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