München – Es sah aus wie ein konservatives Gewinnerthema, jetzt hat die CSU ein Problem am Bein: Die Vehemenz der Debatte um die Kreuzanordnung für Behörden hat die Partei völlig überrascht. Dass sich die Opposition erregen würde, hatte man freudig einkalkuliert. Auch deshalb erklärte Generalsekretär Markus Blume vergangene Woche forsch, bei den Nörglern handele es sich um eine „unheilige Allianz von Religionsfeinden und Selbstverleugnern“. Auf den Münchner Kardinal Reinhard Marx, der sich anschließend zu Wort meldete, trifft dies aber nicht zu – weshalb nun hinter den Kulissen fieberhaft versucht wird, die Wogen zu glätten.
„Miteinander reden ist sinnvoller als übereinander“, sagt der ehemalige CSU-Vorsitzende Erwin Huber. „Kirchen und CSU stehen sich doch viel näher als alle anderen, die sich jetzt wichtigtuerisch zu Wort melden, wie zum Beispiel die FDP.“ Hubers „Wichtigtuer“, namentlich der FDP-Spitzenkandidat Martin Hagen, hatten sich am Dienstag in einem offenen Brief an Ministerpräsident Markus Söder mit einem eigenen Vorschlag zu Wort gemeldet: „Lassen Sie uns im Eingangsbereich jeder Behörde den ersten Satz von Artikel 1 unseres Grundgesetzes anbringen! ,Die Würde des Menschen ist unantastbar‘ – treffender lassen sich die Grundwerte unserer Rechts- und Gesellschaftsordnung doch nicht auf den Punkt bringen.“
Von derlei Vorschlägen halten sie in der CSU wenig. Die Reihen hinter Söder sind weitgehend geschlossen. „Die Verordnung zu Kreuzen im Eingangsbereich von Behörden muss bleiben“, sagt Erwin Huber. „Da hat Söder die CSU-Landtagsfraktion eindeutig hinter sich.“
Doch auch hier gibt es Skeptiker. Wissenschaftsministerin Marion Kiechle, noch ein Neuling im Politikbetrieb, hatte die Verordnung erst als „keine besonders kluge Idee“ bezeichnet, um dann in einer schriftlichen Erklärung zurückzurudern. Der Abgeordnete Joachim Unterländer, zugleich Vorsitzender des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, bezeichnete sich im BR zwar als „differenzierten Befürworter“ der Anordnung, mahnte aber einen besseren Dialog mit den Kirchen an. „Wir brauchen bei dieser Frage ein gesellschaftliches Miteinander und nicht die Spaltung und Trennung.“
Kirchenvertreter erneuerten derweil die Kritik an Söder. „Auf den ersten Blick ist es erfreulich, wenn das Kreuz als zentrales Symbol des Christentums öffentlich wertgeschätzt wird“, sagte ein Sprecher von Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck der „WAZ“. Allerdings nur, wenn es nicht für politische Zwecke missbraucht werde. Es stelle sich die Frage, ob das Kreuz in Bayern nicht „zweckentfremdet und instrumentalisiert“ werde.
Der konservative Berliner Kreis in der Union begrüßte die Initiative ausdrücklich. „Markus Söder und seine Minister machen hier deutlich, dass es eben nicht gleichgültig ist, wo eine Gesellschaft ihre religiösen und kulturellen Wurzeln hat“, sagte Sylvia Pantel, CDU-Bundestagsabgeordnete und Sprecherin des Berliner Kreises, dem „Handelsblatt“. Das Kreuz weise nicht nur auf das Christentum hin. Es sei ein Zeichen für die kulturelle Identität. (mit dpa)