Weiter Kritik an Kreuz-Plänen

Söders Irrweg

von Redaktion

Vom Kreuz hätte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder wohl besser die Finger gelassen. Der bekennende evangelische Christ konnte aber der Versuchung nicht widerstehen, das religiöse Symbol als Zeichen seiner politischen Botschaft einzusetzen. Und wähnte sich dabei vielleicht anfangs sogar unangreifbar. Wer sollte schon etwas dagegen haben, dass künftig in allen öffentlichen Gebäuden ein Kreuz im Eingangsbereich hängt? Ein hehres Zeichen, das die christlich-abendländische Kultur als Grundlage unseres Gemeinwesens demonstrieren sollte.

Doch die Rechnung ist nicht aufgegangen. Denn das Kreuz lässt sich für politische Zwecke nicht (mehr) vereinnahmen. Die immer gewaltiger anschwellende Protestlawine zeigt auch dem Instinktpolitiker Söder: Die Botschaft des Kreuzes kann man als Politiker beherzigen, man kann sie mit Leben erfüllen. Aber sie lässt sich nicht als politisches (Wahl-)Kampfmittel einsetzen.

Söder hat die innere Kraft und Macht des christlichen Zeichens massiv unterschätzt. Es durchkreuzt ja geradezu alle menschliche Berechnung und alle menschlichen Machtansprüche. Es ist zu billig, all jenen, die nun in scharfer Form eine politische Instrumentalisierung des Kreuzes ablehnen, Religionsfeindlichkeit vorzuwerfen. Im Gegenteil: Die empfindlichste Gegenwehr kommt gerade von Vertretern der Kirchen. Der neue Ministerpräsident täte gut daran, sich von seinem Irrweg des Kreuzkampfes zu verabschieden und sich stattdessen auf eine Politik zu besinnen, die einer Christlich-Sozialen Union im Wortsinn gerecht wird.

Claudia Möllers

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