Beginn des Landtagswahlkampfs

Die Haltung zählt

von Redaktion

Schon klar: Umfragen sollte man als Lehre aus den jüngsten Wahlen nicht zu große Aufmerksamkeit schenken. Dennoch ist der BR-Bayerntrend fünf Monate vor der Wahl bemerkenswert, weil gleich mehrere vermeintliche Grundregeln politischer Arbeit infrage gestellt werden.

Als Erstes erstaunt, wie wenig die CSU vom Turbo-Start des Ministerpräsidenten Markus Söder ins Amt profitiert. Das liegt offenbar weniger an der massiven Kritik, die ihm bei Polizeiaufgaben- und Psychiatriegesetz sowie der Kreuz-Anordnung entgegenschallte. Nein: Seine persönlichen Werte bleiben gut, die Zufriedenheit mit der Staatsregierung hat nach dem Seehofer-Frust im Januar deutlich zugenommen. Und doch legt die CSU in der Sonntagsfrage kaum zu. Seinem – nicht offen ausgesprochenen – Ziel der absoluten Mehrheit ist Söder trotz beachtlichen Aufwands so gut wie nicht näher gekommen.

Noch spannender ist der Blick auf die kleinen Parteien: Hier stehen jene gut da, deren Spitzenpersonal sich wenig Gehör verschafft. Die bayerische AfD, die allenfalls durch interne Querelen auffällt, legt zu. Die Grünen, deren Spitzenkandidat Ludwig Hartmann nicht einmal jedem Dritten ein Begriff ist, sind sogar zweitstärkste Kraft. Die Regel, dass Wahlen über Persönlichkeiten entschieden werden, scheint außer Kraft. Der Wähler goutiert offenbar, wenn Parteien für eine klare Haltung stehen. Vermutlich ist genau dies das Problem der SPD: Natascha Kohnen hat in Sachen Bekanntheit zwar zugelegt. Doch wenn die Partei ihre abstrakten Begriffe „Erneuerung“ oder „Gerechtigkeit“ nicht mit Leben erfüllt, bahnt sich ein Debakel an.

Mike Schier

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