Kommunion-Streit erreicht den Vatikan

von Redaktion

Marx, Woelki und Co.: Deutsche Bischöfe und Kardinäle sind zu einem klärenden Gespräch nach Rom gereist

Rom – Um es gleich vorwegzunehmen: Weder handelt es sich um eine „Vorladung“, noch um ein „Verhör“, wie manchmal im Vorfeld verbreitet. Auch nehmen die deutschen Bischöfe nicht etwa auf schmalen Holzbänken Platz, während über ihnen der Chef der „Heiligen Inquisition“ thront, der heutigen Kongregation für die Glaubenslehre. Diese Zeiten sind im Vatikan längst vorbei. Man trifft sich in einem relativ schlichten Konferenzsaal und sitzt gemeinsam um den Tisch. Über der Runde wacht das Kruzifix und ein Porträt von Papst Franziskus.

Den Vorsitz führen die beiden Kardinäle Luis Francisco Ladaria Ferrer und Kurt Koch, Präfekten der Kongregationen für Doktrin und Ökumene. Gegenüber die beiden gegnerischen Hauptakteure: Die Kardinäle Reinhard Marx, Erzbischof von München und Chef der deutschen Bischofskonferenz sowie Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln. Daneben gehören noch fünf weitere Hirten zur Delegation aus Deutschland, darunter der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer.

Der Umgang sei brüderlich, der Ton herzlich gewesen, so heißt es von Teilnehmern. Doch die angeblich gute Atmosphäre kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich um einen hochbrisanten theologischen Streit handelt, der bereits für heftige Verwerfungen unter den Mitbrüdern gesorgt hatte. Soll es im Lande Luthers evangelischen Ehepartner in gemischt konfessionellen Ehen erlaubt sein, zur katholischen Kommunion zu gehen?

Ein Papier der Deutschen Bischofskonferenz wollte genau das, zumindest in Einzelfällen. Doch dann sorgte jener Beschwerdebrief einer Gruppe deutscher Oberhirten nach Rom, angeführt von Kölns Kardinal Woelki, also einem Schwergewicht im deutschen Episkopat, nicht nur im Vatikan für Aufsehen. Viele journalistische Beobachter erkennen darin auch eine Auflehnung gegen den Kurs der Öffnung unter Papst Franziskus. Der nämlich hatte die Bischofskonferenzen, so etwa im umstrittenen Lehrschreiben „Amoris Laetitia“ in die Pflicht genommen, nicht immer bei jeder Einzelfrage auf Order aus Rom zu warten; viele Probleme, gerade pastoraler Art, bedürften einer Lösung auf Basis der individuellen kulturellen, sozialen und gesellschaftlichen Realitäten eines Landes, einer Region oder eines Kontinents. Ausdrücklich erwähnte er dabei die Frage des Kommunionempfangs für Nicht-Katholiken.

Die alten Zeiten des römischen Zentralismus, so betont der Pontifex immer wieder, seien vorbei. Vielen in der Kurie sind solche Aussagen ein Dorn im Auge, unterminiert es doch ihre Macht. Doch auch draußen in den Bischofskonferenzen stoßen diese ungewohnten Freiheiten oft auf erheblichen Widerstand. Der deutsche Streit um die „Inter-Kommunion“ ist so ein Beispiel. Wie könnte eine Lösung nun aussehen?

Der dürre Text, den das Presseamt des Heiligen Stuhls am Abend verteilte, lässt nicht auf weißen Rauch schließen. Immerhin, so die Verlautbarung, wird das „ökumenische Engagement der deutschen Bischöfe“ ausdrücklich vom Papst gelobt. Franziskus setzte auf eine „möglichst einmütige Regelung im Geist kirchlicher Gemeinschaft.“ Es mag ein Wink mit dem Zaunpfahl sein. Ingo-Michael Feth

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