Kommt ein Außenminister nach Nordkorea und will über einen Gipfel sprechen, an dem sein Land gar nicht teilnehmen wird. Natürlich ist das auffällig. Und natürlich steckt mehr dahinter als die Übermittlung des frommen Wunsches, das Treffen zwischen Nordkoreas Diktator Kim und US-Präsident Trump möge „reibungslos“ verlaufen.
Mit der zweitägigen Stippvisite von Außenminister Wang Yi in Pjöngjang dokumentiert China vor allem dies: Es hat Angst, in dem plötzlich hoffnungsvollen Friedensprozess auf der koreanischen Halbinsel eine untergeordnete Rolle zu spielen. Die Furcht ist nicht unbegründet: Die Beziehung zu Nordkorea ist im Zuge der Krise abgekühlt. Zudem haben Kim und Südkoreas Präsident Moon bei ihrem Treffen vergangene Woche offen gelassen, ob Pekings Teilnahme an den Friedensverhandlungen nötig ist. Wangs jetzige Erklärung, China wolle „eine positive Rolle“ spielen, ist also als Aufforderung zu verstehen. Man will mitreden.
Pekings größte Angst dürfte sein, dass sich Kim zu gut mit Südkorea und den USA versteht. Bisher dient dessen Diktatur den Chinesen als weicher Puffer nach außen, den wollen sie nicht verlieren. Trump und Co. sollten diese Befindlichkeit kennen und sie nicht befeuern. China in dem Prozess zu marginalisieren, mag für die USA verlockend sein. Aber es ist mindestens genauso gefährlich.
Marcus Mäckler
Sie erreichen den Autor unter
Marcus.Maeckler@ovb.net