Heute vor 200 Jahren wurde in Trier Karl Marx geboren. Seine Philosophie hat in marxistischen Ländern des vorigen Jahrhunderts wie Russland und China Hungersnöte, Armut und Sklavenarbeit in schrecklichen Lagern gebracht.
Geprägt durch die Verhältnisse seiner Zeit konnte Marx das Verhältnis zwischen Eigentümern und Arbeitern nicht anders sehen als ausbeuterisch. Der Arbeitgeber behält den durch niedrige Löhne entstehenden „Mehrwert“ der Arbeit. So ist Eigentum nichts anderes als Diebstahl. Die Erlösung der Welt kann nur gelingen, wenn die Arbeiter sich erheben gegen ihre Ausbeuter und die kommunistische Utopie verwirklichen.
Den modernen Wohlfahrtsstaat konnte er nicht vorhersehen. Auch ahnte er nicht, dass durch kreative Unternehmer und das Entdeckungsverfahren des Wettbewerbs heute jedermann Zugang zu Gütern und Produkten hat, die früher kaum für Könige erreichbar waren.
Marx war überzeugt, dass erfolgreiche Kapitalisten ihre kleineren Wettbewerber verdrängen, um Monopolgewinne zu erzielen. Heute sorgen bei uns Kartellbehörden dafür, dass Marktmacht nicht missbraucht werden darf. So folgt die Realität der Wirtschaft mehr der von Adam Smith in die Welt gesetzten Idee der „unsichtbaren Hand“. Kreative Unternehmer wollen immer nur sich selber dienen. Aber sie nutzen der Allgemeinheit, weil ihre Ideen und ihre Arbeit am Ende allen zugutekommen.
Gerade hier hat Karl Marx aber einen Punkt, der ihn heute auch wieder ins Zentrum rückt. Die Vorteile des Kapitalismus funktionieren nur, wenn an der Spitze der Unternehmen kreative Unternehmer stehen, die auch tatsächlich Mehrwert schaffen und nicht Bürokraten, die vor allem um ihre hohen Gehälter besorgt sind. Gerade in Deutschland sitzen zudem in den Aufsichtsräten der großen Unternehmen oft Persönlichkeiten, die nichts Unternehmerisches mehr bewegen. Das gilt für ehemalige Vorstände ebenso wie für pensionierte Politiker und Gewerkschaftsführer. In einer Wirtschaft aber, die von Funktionären beherrscht wird, verkehrt sich das Modell des Adam Smith mit der „unsichtbaren Hand“ in ihr Gegenteil. Statt Wachstum werden merkantilistische Verteilungsstrukturen geschaffen, die am Ende weniger statt mehr Wohlstand für alle hervorbringen.
Auch die von Marx beschworene Konzentration auf wenige Unternehmen hat in der digitalisierten Welt mehr Berechtigung als in der Wirtschaft des 20. Jahrhunderts. Die „New Economy“ hat Unternehmen wie Facebook, Google, Amazon und andere hervorgebracht, die eine früher nicht gekannte Marktdominanz ausüben. In Deutschland beherrscht Google fast 90 Prozent aller Suchanfragen im Internet.
Wir sollten das 200-jährige Jubiläum der Geburt des falsch, aber groß denkenden Marx zum Anlass nehmen, in unserer Wirtschaft zu der alten Tugend des Dienens gegenüber dem reinen Verdienen zurückzukehren. Wir sollten dabei weniger Bürokratie und mehr Wettbewerb zulassen und die Kartellbehörden wieder stärken. Sie sind unverzichtbar als Aufsicht eines starken Staates gegenüber Unternehmen, die es auf eine Monopolrendite abgesehen haben.
Am Ende seines monumentalen Lebens ohne äußere Erfolge soll Marx an sich selbst gezweifelt haben. Auf seinem Grabstein in London aber steht stolz der Satz: Proletarier aller Länder, vereinigt euch.
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