Durch die schweren Turbulenzen, die gerade den Literaturnobelpreis hin und her schleudern, lernt das staunende Publikum erstens, dass der Umgang mit Dichtung die Menschen nicht zu Heiligen macht; zweitens, dass es für so traditionsreiche wie selbstherrliche Institutionen nicht leicht ist, sich energisch zu reinigen, und drittens, dass all das weder die Kunst an sich noch die Literatur im Speziellen oder den Preis beschmutzen wird. Schließlich wurde keiner unwürdigen Persönlichkeit die weltweit wichtigste Belletristik-Auszeichnung verliehen. Das ist das Glück.
Unglücklich und abstoßend ist, wie Teile der Schwedischen Akademie agiert haben, als sie sowohl finanzielle Mauscheleien eines weiblichen Mitglieds als auch sexuelle Übergriffe des Ehemanns dieser Frau mehr oder weniger ignorierten. Dass es deswegen Streit und Rücktritte, giftige Bemerkungen und spitze Antworten gab, mag nicht fein und würdevoll sein – ist aber gut. Denn all das brachte den Dreck endlich an den Tag. Ein erster Schritt, ihn loszuwerden.
Das Beste wäre es, die komplette Akademie auszutauschen. Dann könnte der Neustart gelingen. Und erst dann wäre die Verschiebung des Literaturnobelpreises 2018 auf 2019 von Nutzen. Im Augenblick sieht es aber so aus, als wollten die zehn verbliebenen Mitglieder (von 18) lediglich weiterwursteln. Das ist mutlos.
Simone Dattenberger
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