Donald Trump bleibt ein unberechenbarer Präsident – und er hat erneut bewiesen, dass ihm jegliches Gespür für angemessene Worte fehlt. Die Argumentation bei der Jahresversammlung der US-Waffenlobby NRA, die Opfer der Terroranschläge von Paris im Jahr 2015 hätten sich aufgrund der strengen Waffengesetze in Frankreich nicht wehren können, ist perfide und eine Provokation der transatlantischen Partnernation. Gleichzeitig erliegt Trump einmal mehr der fehlerhaften Logik, dass mehr Waffen in den Händen der Bürger automatisch mehr Sicherheit schaffen. Auf die Idee, dass sich radikalisierte Islamisten oder gewöhnliche Kriminelle dann noch einfacher ihre Mörderwerkzeuge beschaffen könnten, kommt der US-Präsident nicht – oder er verschweigt sie, dem Publikum zuliebe.
Längst vergessen scheint bei Trump das Versprechen, sich nach dem Schul-Massaker von Parkland im Februar für Beschränkungen beim Waffenrecht einzusetzen. Damit hatte sich der Präsident erstmals auch auf Distanz zur Waffenlobby begeben, doch dies hielt trotz der Massenproteste in den USA nur kurze Zeit. Trump träumt weiter vom „guten“ Mann – sprich bewaffneten und für den Schusswaffen-Gebrauch trainierten Lehrer –, der im Ernstfall die Nerven besitzt, einen Amokläufer zu stoppen. Damit liegt er philosophisch voll auf der Linie der Waffennarren und seiner konservativen Kernwählerschaft, die Einwände grundsätzlich nicht gelten lassen.
Friedemann Diederichs
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