Ob kirchlich am Sonntag ein „westfälischer Frieden“ geschlossen werden kann in Münster? Der 101. Katholikentag, der heute Abend in der westfälischen Metropole beginnt, steht jedenfalls unter dem passenden Motto „Suche Frieden“. Die deutschen katholischen Bischöfe verbreiten aber alles andere als Harmonie und Friedensgesänge.
Sie streiten über die Frage des Kommunionempfangs für Protestanten, über finanzielle (In-)Transparenz von Bistumshaushalten, über die politische Inanspruchnahme des Kreuzes. Und eigentlich geht es vor allem um die Angst vor dem Verlust von Macht und der Deutungshoheit. Die Mehrheit der Mitglieder – derzeit sind es 66 Orts- und Weihbischöfe – hat die Zeichen der Zeit erkannt. Sie unterstützen die Reformpläne von Papst Franziskus, der eine dezentrale Kirche möchte. Eine Kirche, die auch vor Ort Verantwortung übernimmt und in Fragen der Pastoral die Sorge um den leidenden Menschen wichtiger nimmt als kühle Paragrafen des Kirchenrechts.
Der christliche Glaube kann Menschen Wege zu einem anständigen Leben aufzeigen, das von Menschenwürde, Nächstenliebe, Toleranz und Verantwortungsbewusstsein geprägt ist. Beim Katholikentag in Münster, an Christi Himmelfahrt, können die Bischöfe vorleben, wie Aussöhnung um des Himmels Willen geht. Das wäre ein westfälischer Frieden 2018!
Claudia Möllers
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