Berlin/München – Der neue Mann in Berlin teilte sofort aus. An seinem ersten Tag als US-Botschafter in Deutschland forderte Richard Grenell am Dienstag die deutschen Unternehmen auf, ihre Geschäfte im Iran „sofort herunterzufahren“. Und natürlich wählte er dazu eine Form der Kommunikation, die auch sein Chef in Washington gerne benutzt. Er setzte einen Tweet ab.
Dieser Tweet hat dem neuen Botschafter gleich mächtig Ärger eingehandelt. Vor allem die deutschen Oppositionspolitiker beschwerten sich. Wolfgang Ischinger, Chef der Münchner Sicherheitskonferenz und früher deutscher Botschafter in Washington, konterte auf Twitter. „Sagen Sie dem Gastland nie, was es zu tun hat, wenn Sie keinen Ärger wollen.“ Grenell, früher PR-Berater, verteidigte seinen Vorstoß. Er habe eben „einen anderen Stil“, sagte er.
Grenell, 51, twittert oft und gerne, in dieser Disziplin übertrifft er US-Präsident Donald Trump. Der Republikaner hat sich auf diesem Kanal als Hardliner positioniert, er kommentiert scharf, manchmal beleidigend. Eine Strategie, die ihm viel Aufmerksamkeit bringt, aber fast den Posten in Berlin gekostet hätte. Als Trump ihn im April dem Senat zur Wahl stellte, stimmten 56 Senatoren für und 42 gegen ihn. Die Demokraten tadelten seine Einträge, die immer wieder mit frauenfeindlichen Äußerungen versehen waren.
Es sind aber nicht nur die Demokraten, die Grenell kritisieren, er ist selbst in der eigenen Partei ein Streitfall. Weil er seit 14 Jahren offen in einer homosexuellen Beziehung lebt und sich selbst in den Reihen der Republikaner als sehr konservativ gibt, stößt er immer wieder auf Widerstand. Wie weit dieser gehen kann, zeigte sich 2012. Damals arbeitete Grenell als Außen- und Sicherheitspolitischer Sprecher für den Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney, trat aber nach nur wenigen Wochen freiwillig zurück. Der Druck der bibeltreuen Rechten war zu groß geworden.
Nun hat Trump ihm die Botschaft in Berlin anvertraut. Vor einer Woche war Grenell in Anwesenheit seines Lebensgefährten von Vizepräsident Mike Pence vereidigt worden. Obwohl Pence in der Vergangenheit immer wieder Politik gegen Homosexuelle unterstützt hatte, sei er geehrt gewesen, schrieb er später auf Twitter.
Trump und Pence setzen auf Grenells Erfahrung. Unter George W. Bush vertrat dieser die US-Regierung als Sprecher bei den Vereinten Nationen. Er musste sich dort während der Kriege im Irak und in Afghanistan behaupten. Einer seiner Vorgesetzten damals war übrigens John Bolton, Trumps Berater für Nationale Sicherheit. Es scheint, als habe der neue Mann in Berlin einen guten Draht ins Weiße Haus. christopher meltzer