Der MVV hat ein Tarifsystem, bei dem sich bisher irgendwie jeder im Nachteil wähnt. Dieses subjektive Empfinden hat seinen Grund auch im komplizierten Ring- und Zonensystem, bei dem man sich leicht übervorteilt sieht – Touristen sowieso, aber auch Einheimische. Der Durchblick dürfte ab Juni 2019 leichter möglich sein. Eine großstädtische M-Zone und sechs Zonen außenrum – das ist ein deutlicher Fortschritt und alle Mühen wert. Es kommt bei der komplizierten und intransparenten Entscheidungsstruktur der MVV-Gremien einem Wunder gleich, dass hier eine Einigung erzielt wurde.
Damit ist aber noch nicht gesagt, dass über die Reform jeder glücklich sein wird. Everybody’s Darling ist Everybody’s Depp – das alte Strauß-Wort gilt auch hier: Der MVV kann es nicht jedem Fahrgast recht machen. So werden über 100 000 Münchner, die bisher nur den 1. und 2. MVV-Ring nutzten, künftig fünf Euro mehr im Monat zahlen müssen. Da ist sie also, die versteckte Preiserhöhung – eine „Nullrunde“ wird es nicht für jeden Fahrgast geben. Auch Senioren haben Vor- und Nachteile: Ihre Karte gilt künftig schon vor 9 Uhr, dafür steigt die Altersgrenze von 60 auf 65 Jahre. Ergo: Die Tarifreform wird individuell gesehen Gewinner und Verlierer haben. Dennoch ist sie richtig.
Dirk Walter
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