Vielleicht hat die Horror-Aussicht auf eine extrem-populistische Regierung in Italien, die das alt-römische Motto panem et circenses, Brot und Spiele für das Volk, an die Stelle rationaler, verantwortlicher Regierungspolitik stellen will, wenigstens insofern etwas Gutes, als es den Blick der Europäer für die Risiken in der aktuellen Reformdebatte schärfen sollte. Mehr als 150 renommierte Ökonomen haben gerade in einem dramatischen Appell vor der Vergemeinschaftung der nationalen Banken-Einlagensicherung und der Installierung eines EU-Finanzministers gewarnt. Ernennt Italiens Staatsoberhaupt Mattarella tatsächlich die politische Marionette Giuseppe Conte zum Premier, tritt in der Eurozone ein Ernstfall ein, der die griechische Schulden-Tragödie vergleichsweise zur Fußnote macht.
Die Anti-System-Koalition in Rom will sich laut ihren eigenen Bekundungen weder um den Abbau von Italiens 2,3-Billionen-Euro-Schuldenberg noch um solides Wirtschaften kümmern, sondern im Gegenteil ohne Rücksicht auf EU-Verträge neue Verbindlichkeiten aufhäufen: frühere Rente, 780-Euro-Grundsicherung, Wachstum auf Pump – Ökonomen schätzen die Kosten des „Wünsch-dir-was“-Programms auf 125 bis 170 Milliarden Euro.
Die Europäer tun gut daran, sich auf ein römisches Albtraum-Szenario vorzubereiten. Die Hoffnung, dass eine irrationale Regierung beim Zusammenprall mit der Realität rasch aufwacht oder abtritt, hat sich spätestens seit Trumps Wahl zum US-Präsidenten als trügerisch erwiesen.
Alexander Weber
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