Zuckerberg vor dem EU-Parlament

Der Staat muss schützen

von Redaktion

Zwei Mal hat sich Mark Zuckerberg nun unter maximaler medialer Beobachtung den Fragen von Parlamentariern gestellt. Zwei Mal ging das Unterfangen, den Daten-Milliardär auf konkrete Zusagen festzunageln, gründlich in die Hose. Doch statt sich nur darüber aufzuregen, dass die EU-Parlamentarier erst auf einen Auftritt des Facebook-Chefs bestanden und ihn dann kaum zu Wort kommen ließen, sollte man lieber über Konsequenzen nachdenken.

Zu lange haben sich die Bürger im Netz äußerst sorglos bewegt. Doch inzwischen wächst das Unbehagen darüber, was versteckte, für Normalsterbliche nicht zu durchschauende Algorithmen an Daten ansammeln. Zuckerbergs Auftritt suggeriert, dass er sich trotz der neuen EU-Datenschutz-Verordnung sehr sicher fühlt. Die vielen von ihm unbeantworteten Fragen sollten die Parlamentarier dazu bringen, die Kontrolle der Internet-Riesen, die teils beängstigende Monopole besitzen, auszuweiten.

Da passt es ins Bild, dass Amazon derzeit an seiner Gesichtserkennungssoftware „Rekognition“ bastelt. Menschenrechtler in den USA schlagen nun Alarm, weil die US-Polizei die Technik nutze. Wenn das stimmt, wäre die aktuelle Parlamentsdebatte geradezu absurd: Statt seine Bürger vor Überwachung zu schützen, bedient sich der Staat bei den Unternehmen. Big Brother wird so Realität.

Mike Schier

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