Turbulenzen an den Finanzmärkten

Warnung an Rom

von Redaktion

Ist das Vertrauen an den Märkten erst mal angekratzt, ist es bis zur Panik oft nur noch ein Katzensprung. Europa macht diese Erfahrung gerade mit Italien und dessen neuer Abenteurer-Regierung aus Links- und Rechtspopulisten: Um acht Prozent ist die Aktienbörse in Rom binnen weniger Tage eingebrochen. Die Anleger fliehen in Scharen aus dem Land, dessen neue Machthaber alle gegenüber Brüssel abgegebenen römischen Spar-Versprechen einkassieren wollen. Und weil Angst an den Finanzmärkten hochansteckend ist, geriet am Mittwoch zum ersten Mal auch der deutsche Dax in den Abwärtsstrudel. Die italienische Krise, vor der alle warnen: Sie steht direkt vor der Tür. Und hat gestern schon mal kräftig angeklopft. Hoffentlich haben Italiens neue Koalitionäre gut hingehört.

Eine neue Euro-Schmelze ist so ziemlich das letzte, was das von Trump und Putin hart in die Mangel genommene Europa jetzt gebrauchen kann. Leider drängt sich nicht der Eindruck auf, dass Brüssel aus seinen Fehlern lernt: Während die Griechenland-Krise noch schwelt und die Dunkelheit hereinbricht über Italien, wollen sich die Eurokraten bereits in die nächsten Abenteuer stürzen und mit Ländern wie Rumänien und Bulgarien neue Wackelkandidaten in die Eurozone lotsen. Das ist genauso töricht wie die neuen Pläne, durch die Einführung von Sammelanleihen, die Staatspapiere verschiedener, solventer und weniger solventer Eurostaaten bündeln, auch noch Eurobonds durch die Hintertüre einzuführen, bei denen die starken für schwachen Länder mitbezahlen. Damit soll die Europäische Zentralbank EZB entlastet werden, die bis zur Halskrause in einem Berg angekaufter Staatsanleihen steckt und jetzt nicht mehr recht weiter weiß.

Im Klartext: Als Antwort auf das Überhandnehmen unverantwortlicher Handlungsweisen in den Euro-Schuldenstaaten will Brüssel das Haftungsprinzip noch weiter aushöhlen. Solange, bis auch die (bisher noch) stabilen Länder durch Übernahme weiterer Bürgschaften für die ausgabenfreudigen Länder ins Wanken geraten. Das ist das Drehbuch für den Untergang.

Georg Anastasiadis

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