Die Linke nach ihrem Parteitag

Tiefe Spalten

von Redaktion

In der Partei die Linke müsse sich niemand für eine Seite entscheiden, denn „wir sind alle Teil der Linken“, meinte Parteichefin Katja Kipping in ihrer Rede ebenso schönfärberisch wie realitätsverleugnend. Die innerparteilichen Fronten ziehen sich durch alle Kategorien: programmatisch (lassen wir die Grenzen für die ganze Welt offen oder gibt es wenigstens bei der Arbeitsmigration Grenzen der Zumutbarkeit?); persönlich (siehe den Amazonen-Krieg zwischen Sarah Wagenknecht und Katja Kipping); taktisch (etwa der Dauerkonflikt zwischen Partei- und Fraktionsführung um die Linie des Alltagsgeschäfts im Bundestag); und stilistisch (die tribunalartige Debatte über Wagenknechts Flüchtlingskurs).

Nein, aus der einstigen Kümmerer-Partei für die Verlierer des Mauerfalls im deutschen Osten ist eine tief zerstrittene Funktionärs-Partei geworden, die mehrheitlich lieber ideologisch im Wolkenkuckucksheim träumt, als sich für die handfesten Probleme des sogenannten kleinen Mannes zu kümmern. Saar-Napoleon und Wagenknecht-Ehemann Oskar Lafontaine hat im kleinen Finger noch immer mehr Gespür für die Alltagsnöte der Menschen als die entrückten Parteichefs Kipping und Riexinger zusammen. Werden die Gräben nicht bald überbrückt, ist eine Spaltung der Linken nur eine Frage der Zeit.

Alexander Weber

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