Drama um die „Aquarius“

Düstere Grauzonen

von Redaktion

Grenzen zwischen Gut und Böse sind schnell gezogen, manchmal voreilig. Das Rettungsschiff Aquarius, das mit 629 Flüchtlingen an Bord im Mittelmeer liegt, markiert bestenfalls eine riesige Grauzone. Böse Italiener sperren Häfen für liebe Retter, gute Spanier helfen aus – dieses Bild wäre wohlfeil. Das beginnt schon bei der Rolle der Schiffe, gern auch mit deutscher Besatzung. Sie retten Menschenleben nahe vor Libyens Küste – absolut geboten, nur Zyniker argumentieren dagegen. Teil zwei, die Überfahrt ins viel weiter entfernte Europa, erfüllt dann aber kostenfrei und in nur vermeintlicher moralischer Überlegenheit den Job der Schleuser. Diese treiben fortan die Flüchtlinge in immer seeuntauglicheren Booten für die ersten Kilometer aufs offene Meer hinaus. Wird ja schon irgendein Helferschiff den Rest übernehmen. Wenn nicht: Der Profit stimmt auch bei Toten.

Zwei wichtige Faktoren an diesem hässlichen Spiel sind besonders bitter. Es sind Menschen in Not, ob asylberechtigt oder nicht, auf deren Rücken dieser Machtkampf ausgetragen wird. Und – die politische Dimension: Wenn nun in Italien eine unappetitliche Regierung aus Rechts- und Linkspopulisten den Eindruck erweckt, das Problem erstmals anzupacken, so wie 2015/16/17 Machthaber vom Schlage Orbán und Erdogan, was signalisiert das Europas aufgewühlten Wählern? Die gemäßigten, einst stabilen Volksparteien dürfen die Lösung solcher Probleme nicht den Populisten überlassen.

Christian Deutschländer

Sie erreichen den Autor unter

Christian.Deutschlaender@ovb.net

Artikel 1 von 11