Historischer Gipfel zwischen Trump und Kim

Weg mit dem Faustpfand?

von Redaktion

Für Kim Jong Un ist in Singapur ein Traum in Erfüllung gegangen: Vor wenigen Wochen noch der geächtete Paria der Weltpolitik, steht der nordkoreanische Diktator nun lächelnd auf Augenhöhe mit dem Präsidenten der Weltmacht USA auf dem roten Teppich. Egal, was aus den Vereinbarungen mit Donald Trump am Ende wird – der Prestigegewinn für Kim international wie vor dem eigenen Volk ist immens.

Reden ist allemal besser als schießen – nach dem atomaren Säbelrasseln der vergangenen Monate zwischen Kim und Trump ist das Treffen der beiden sicherlich ein Hoffnungsschimmer. Und die Aussicht, nach 65 Jahren Waffenstillstand den Korea-Krieg endlich auch formell zu beenden, ein Fortschritt. Die Kernfrage lautet jedoch, wie belastbar das Herzstück der gemeinsamen Erklärung wirklich ist: die komplette Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel. Der Besitz von Atomwaffen galt bis vor wenigen Wochen als die Lebensversicherung des nordkoreanischen Regimes. Wird Kim dieses Faustpfand tatsächlich aufgeben im Gegenzug für Sicherheitsgarantien eines Donald Trump, der erst vor wenigen Tagen ein G7-Abschlussdokument binnen Stunden per Tweet aufkündigte? Der jahrzehntelange Bündnispartner fallen lässt, nur weil er sich einen kurzfristigen materiellen Erfolg davon verspricht? Schwer vorstellbar.

Vor allem: Nach der diplomatischen Sturzgeburt des Gipfeltreffens muss der vagen Singapur-Erklärung die mühsame Detailarbeit folgen. Spätestens wenn es darum geht, Inspekteure ins abgeschottete Nordkorea zu lassen, die eine atomare Abrüstung überprüfen müssten, wird sich zeigen, wozu Kim wirklich bereit ist.

Alexander Weber

Sie erreichen den Autor unter

Alexander.Weber@ovb.net

Artikel 1 von 11