Die Zentralafrikanische Republik ist weltweit führend – aber aus einem traurigen Grund. Nirgendwo auf der Welt ist die Lebenserwartung niedriger, Männer werden im Schnitt keine 48 Jahre alt, Frauen leben nicht viel länger. Das Land hat also andere Probleme, als sich um seinen Platz auf der Sportlandkarte zu sorgen oder die kulturellen Beziehungen zu intensivieren. Dennoch leistet man sich seit zwei Monaten einen Attaché eigens für diese Themen. Sein Name: Boris Becker.
Das allein wäre kurios genug, doch nun setzt der Tennis-Altmeister seinen brandneuen Diplomatenstatus und die damit womöglich verbundene Immunität ernsthaft dazu ein, das in England gegen ihn laufende Insolvenzverfahren zu torpedieren. Ein bettelarmes Land soll den gefallenen Millionär vor der Pleite bewahren.
Wer es gut mit Becker meint (und das sind trotz aller Eskapaden ziemlich viele), der denkt bei diesem Kniff an die unzähligen Matches, die er im letzten Moment spektakulär gedreht hat. Der Rest wundert sich nur noch und schüttelt den Kopf, wie er es seit Beckers Karriereende oft getan hat. Seinem Ruf tut der Ex-Profi mit der Aktion keinen Gefallen. Aber darauf nimmt er schon lange keine Rücksicht mehr.
Marc Beyer
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