Im völlig außer Kontrolle geratenen Asylstreit der Unionsparteien lässt sich die CSU an Lautstärke von niemandem überbieten. Das war schon immer so im wechselvollen Verhältnis der beiden zänkischen Schwestern. Die Kunst der Kriegsführung allerdings versteht man auch in der CDU, auch wenn dort subtiler zu Werke gegangen wird. Bis zum 2. August, so hört man neuerdings wie beiläufig aus der Merkel-Partei, könne man CDU-Wahllisten für die bayerische Landtagswahl aufstellen. Das sei spielend zu schaffen, wenn die CSU es auf den Bruch ankommen lasse und es zu dem Trennungs-Szenario Kreuth II käme.
Ein Fünftel der Stimmen könne man der CSU in Bayern abjagen. Dann wäre Söders Mehrheit ein für alle Mal perdu. Umgekehrt verheißt eine neue Umfrage einer bundesweiten CSU 18 Prozent der Stimmen. Spannende Gedankenspiele sind das – und sehr gefährliche. Denn beide Parteien, CSU wie CDU, verlören ihre DNA, wenn sie bundesweit gegeneinander anträten: Die CSU wäre nicht länger eine regionale Volkspartei, sondern würde in die Rolle einer nationalen Rechtspartei gedrängt, die mit der AfD zu wetteifern hätte. Und die CDU wäre nicht mehr die Partei der bürgerlichen Mitte, sondern würde von den Bürgern als Teil einer neuen linken Allianz betrachtet – erst recht, wenn sie den Sirenenklängen der Grünen folgte, die sich für den Fall eines Ausscheidens der CSU aus der Merkel-Koalition schon jetzt als neue Mehrheitsbeschaffer für CDU, SPD und die Kanzlerin andienen. Das würde nach dem Niedergang der deutschen Sozialdemokratie auch den Untergang der Christdemokratie einläuten, der in Italien und Frankreich bereits Realität ist.
Interessant, dass Christian Lindners FDP den Eintritt in eine neue Bundesregierung anstelle der CSU strikt ablehnt. Anders als die Grünen setzen die Liberalen nicht auf eine neue Koalition. Sondern auf einen neuen Kanzler.
Georg Anastasiadis
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