Die Asyldebatte wird immer schriller

Gefährliche Worte

von Redaktion

Ein Tourist ist laut Duden ein Urlaubsreisender, jemand, der reist, um fremde Länder kennenzulernen. Was nun ist der vom Ministerpräsidenten Söder ein ums andere mal sorglos zitierte „Asyltourist“? Jemand, der reist, um ein bayerisches Abschiebegefängnis kennenzulernen? Oder der es sich im Wellnesshotel namens Asylunterkunft gemütlich macht? Wer das suggeriert, sollte wissen, dass er sich bewusst oder unbewusst bei einschlägigen Rattenfängern bedient. In der zuletzt täglich überdrehteren Flüchtlingsdebatte hat sich ein gefährlich sorgloser Jargon eingeschlichen. Dazu zählen auch Begriffe wie „Asylgehalt“ oder die gern bemühte Floskel von der „Anti-Abschiebeindustrie“ (die die bayerischen Integrationshelfer übrigens bis ins Mark traf). Das ist einer Partei wie der CSU nicht würdig. Wer genau hinhört, merkt auch, dass nur bestimmte Teile der Partei (Seehofer zum Beispiel nicht) solches Vokabular bemühen.

Der Gerechtigkeit halber muss angefügt werden, dass auch die Gegenseite nicht (mehr) zimperlich ist. Da wird der Bundesinnenminister als „HeimatHorst“ verhöhnt, die „Abschottung“ der in Wahrheit doch recht offenen Grenzen herbeigeschrieben und für eine gewisse Klientel scheint jede bayerische Asylunterkunft ein „Lager“ zu sein. Wahrscheinlich ist man ein hoffnungsloser Romantiker, wenn man beide Seiten jetzt bittet, bei ihrem „Endkampf“ (O-Ton gestern) ums Thema Asyl doch bitte rhetorisch abzurüsten. Jedoch: Mit Sprache in diffamierender Absicht wird kein Problem gelöst.

Dirk Walter

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